Jahr: 2016

Rhythmik und Vielfalt- Kurzfilme 1
Kritik

Rhythmik und Vielfalt- Kurzfilme 1

Während man noch im Kino sitzt, und die Kurzfilme hintereinander an einem vorbeirauschen, hat man wenig Zeit sich zu jedem einzelnen Gedanken zu machen. Doch gerade das, sollte man unbedingt tun. Auf der Fahrt nach Hause gibt es dann endlich etwas Zeit dafür.Keiner dieser Filme suggeriert eine einzige Interpretationsweise. Dafür ist die Handlung zu vielschichtig. Jeder Besucher sieht die kurzen Werke anders.Es gibt selten eine eindeutige Erklärung zu dem, was man gerade sieht und genau das ist das Besondere an der Berlinale. In keinem der Filme, die auf dem Festival gezeigt werden, geht es darum einen klaren, eindimensionalen Handlungsstrang zu präsentieren.So auch hier. Die meisten Kurzfilme endeten mit einer offenen Frage, einer Botschaft oder manchmal sogar mit einer Moral. „Blind Vays...
Am Ende denkt doch eh jeder an sich…
Kritik

Am Ende denkt doch eh jeder an sich…

6A, ist für einen Langfilm ein ziemlich kurzer Film, 61 Minuten lang darf der Zuschauer an einem Elternabend teilhaben, nicht ganz, denn drei Schülerinnen sind anwesend. Denise, Bella und Mina sind gekommen, denn eigentlich geht es um sie, um ihre Position in der Klasse und darum an der allgemeinen Situation in der Klasse etwas zu verändern...! Um nochmal kurz auf die Filmdauer zurück zu kommen, der Regisseur erzählt nach dem Screening, dass der Film eigentlich als Kurzfilm geplant war und es dann doch so viel gutes Material gab, sodass sie sich entschieden einen kurzen Langfilm daraus zu machen. Es gibt aber auch eine Version welche 30 Minuten lang dauert.Ich kann nicht pauschal sagen, ob ich den Film eher gut oder schlecht finde. Er versucht, auf interessante Weise, uns an den Geschehnis...
Kleine Perlen
Kritik

Kleine Perlen

Oft haben mich die Kurzfime der Berlinale nicht sehr begeistert, doch im diesjährigen Kurzfimprogramm, der Sektion Generation 14+, lassen sich bewegende Filme finden.Diese drei Kurzfilme wahren für mich die schönsten Perlen.Der Ukrainische Kurzfilm „Sensiz“ (Without you) hat mich durch seine Schlichtheit berührt.Nach einer Autopanne machen sich zwei junge Männer zu Fuß auf, um ihren Bruder zu sehen.Es passiert nicht viel, aber im Sonnenuntergang entstehen sehr schöne Bilder und als einer der beiden anfängt ein altes ukrainisches Volkslied zu singen, wird nicht nur sein Begleiter, sondern auch das Publikum berührt.Nach dem Film erzählt der Regisseur Nariman Aliev, dass dieser Film seinem Bruder gewidmet ist, der vor 6 Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Dieses Geständnis lässt einen ...
The past and the future
Kritik

The past and the future

CAN 2016, Generation Blind Vaysha is a short film, which totally impressed me!!! Vaysha, born with a green and a brown eye and does not see the present, just the past and the future, each with one eye. The director used woodcut to tell us the story and show us what Vaysha sees. At the Q&A, after the screening, the director told, that he only needed 8 months to produce all the woodcuts. Very impressive!!!Vaysha only sees the past and the future, thats why she is not able to fall in love with any boy or man. Also the audience just see the men as young boys and as very old mens. I totally understand, that Vaysha can not fall in love with any of these!The movie showed me how important it is for us to live in the present and to see the present! Even if we sometimes want to know what will happe...
Life On The Border
Kritik

Life On The Border

Life On The Border ist der härteste, meistberührende und bedrückendste Film, den ich bisher auf dieser Berlinale gesehen habe. In ihm berichten Flüchtlingskinder aus Kobane und Singal von ihren schrecklichen Schicksalen.Der Regisseur Bahman Ghobadi überlässt es den Kindern, ihre Geschichten selbst zu erzählen und zu gestalten. Nach einer kurzen Einführung in die Filmwelt, wie gute Geschichten funktionieren, wie sie den Zuschauer berühren und nicht langweilig werden, hat er nun den Kindern die Kamera und Regie überlassen. Das Ergebnis ist furchtbar belastend. Der Regisseur selbst meint, dass er den Film, nachdem er fertig geschnitten war, ewig nicht noch einmal angucken konnte.Hintereinander weg werden dem Zuschauer die Einzelgeschichten präsentiert, nur abgegrenzt mit Bild und Name des näc...
Ein Bollywood-Film auf der Berlinale?
Kritik

Ein Bollywood-Film auf der Berlinale?

Ohrenbetäubende Stille herrscht im Saal, als der Film zu Ende ist. Das hatten die Zuschauer so nicht erwartet. Sairat spielt in Indien und erzählt die herzzerreißende Geschichte zweier Liebender aus unterschiedlichen Kasten, denen es dadurch verboten ist, sich zu lieben, geschweige denn zu heiraten. Generell ist die wahre Liebe in Indien nur sehr selten. Die jungen Leute werden zwangsverheiratet, von „Liebeshochzeit“ spricht man, wenn sich die beiden schon seit der Kindheit kennen. Kein Wunder also, dass sich der indische Filmmarkt auf dieses Thema stürzt und in zahlreichen Bollywood-Filmen verarbeitet. So auch in Sairat. Wer bisher noch nie eine Bollywood-Produktion gesehen hat, denkt vermutlich zunächst, er sitze im falschen Film. Während der ersten Hälfte des dreistündigen Films wird nä...
Von Jugendlicher Frische inspirieren lassen- Rag Union
Kritik

Von Jugendlicher Frische inspirieren lassen- Rag Union

In dem russichen Film „Rag Union“ passiert so viel, wie ich es noch in keinem anderen Berlinalefilm gesehen habe. Er lebt von purer Action, bunten Farben, Lichtern und schnellen Lichtern, so dass man gar nicht zur Ruhe kommt. Eine gewisse Hektik zieht sich den ganzen Film über durch, was hier zum Thema passt. Letztendlich weiß man nicht recht, was „Rag Union“ eigentlich sein soll. Einfach nur der Name für den Freundeskreis unter den Jugendlichen? Eine politische Bewegung? Oder Freunde, die sich gefunden haben, um Sport zu treiben und Kunst zu erschaffen?Im Fokus steht der ungefähr 17-jährige Vania, der von der seltsamen Truppe fasziniert ist und alles dafür gibt, von ihnen aufgenommen zu werden. Das geschieht zuerst zaghaft, denn man merkt, dass die Gruppe den Hauptcharakter nur ausnutzt....
„Who cares about me? Who calls? Who is here to protect me?”
Kritik

„Who cares about me? Who calls? Who is here to protect me?”

Der junge Sebastian, auch Chaplin genannt, ist ein talentierter Schlösserknacker. Das heißt, dass die Bande, die regelmäßig in Gebäude einbricht, dringend auf ihn angewiesen ist. Eines Tages tummelt sich der Kern der Gruppe auf einem Schrottplatz herum. Plötzlich kommt die Schwester des Anführers wutentbrannt auf ihn zu gerannt und fragt, wo ihr Laptop sei. Die schöne Emilia verzaubert Sebastian gänzlich und er gibt alles, um ihren Computer zu finden. Dadurch kommt ihr erstes Treffen zu Stande. Bis jetzt ist dem Publikum noch ungewiss, ob die Zuneigung nur aus gezwungener Dankbarkeit oder auf Grund von Sympathie basiert. Doch Sebastian hat sich längst in sie verliebt. Er sieht sie in einem besonders fesselnden Blick an, der fast schon ein wenig bedrohlich wirkt.Auf diese Art und Weise dr...
„Denk einfach nicht dran!“ – „Zu spät.“
Kritik

„Denk einfach nicht dran!“ – „Zu spät.“

breef english version belowSolan, ein prahlender Rabe der alles in einen Wettkampf verwandelt und der ängstliche und pessimistische Igel Ludvig nehmen zusammen mit Reodor, der ein großartiger Erfinder ist, an dem Sagen umwobenen Käserennen teil. Dieses Rennen führt von dem Dorf Slidre über tiefe Schluchten, hohe Berge und durch dichte Wälder bis nach Flåklypa. Die Aufgabe ist es einen Käse über diesen abenteuerlichen Weg zu transportieren. Rasmus A. Siversten schafft es mit seinen liebevoll ausgearbeiteten Figuren das ganze Publikum in seinen Bann zu ziehen. Jeder der Dorfbewohner hat seine ganz persönliche Macke, mit diesem Humor schafft es Siversten sie sympathisch und realistisch erscheinen zulassen, obwohl es zum Teil Tiere sind oder sie übertriebene äußerliche Merkmale haben. Jedes m...
Das Tagebuch der Anne Frank
Kritik

Das Tagebuch der Anne Frank

In einem Saal voller Erwachsenen, die sich und ihren Gefühlen keine Blöße geben wollen, ist es fast den ganzen Film über, die letzten zehn Minuten aber am bemerkbarsten, unglaublich still. Als der Abspann beginnt, hat niemand die Kraft, so viel zu klatschen, wie dieses Werk es verdient hätte. Benommen sitzen alle in ihren Stühlen, kaum jemand redet, viele wischen hastig ihre Tränen weg. Es ist ein Segen, dass Regisseur Hans Steinbichler eine knappe Viertelstunde damit beschäftigt ist, jedes anwesende Crew-Mitglied auf die Bühne zu holen und sich bei zahlreichen Menschen zu bedanken, da es sich um die Weltpremiere des Filmes handelt, bevor das Wort an die Publikumsfragen übergeben wird. Denn es braucht eine ganze Weile, bis sich die Zuschauer wieder einigermaßen unter Kontrolle haben.Worum ...