Es ist Donnerstagabend, Saal 8 des CineStar CUBIX Kinos am Alexanderplatz ist komplett gefüllt. Besonders viele junge Freundesgruppen scheinen die späte Vorstellungszeit zu nutzen, um unter der Woche nach der Schule noch ein paar Kurzfilme zu schauen.
Das Kurzfilmprogramm zwei der Sektion Generation 14+ nimmt uns in diesem Jahr mal wieder auf eine Reise um die ganze Welt mit.

Wir beginnen in Brasilien mit „Lapso“ der Regisseurin Caroline Cavalcanti. Dort kreuzen sich die Wege von Bel und Juliano in einer Stadtbibliothek, in der die beiden Sozialstunden leisten. Die Blicke und Herzen der beiden treffen sich schnell.
Einfühlsam begleitet der Film die Geschichte ihrer Annäherung, die besonders dadurch interessant wird, dass Bel fast vollständig taub ist. In der Hingabe, mit der Juliano beginnt, Zeichensprache zu lernen, steckt so viel Zärtlichkeit, wie sonst nur schwer zu vermitteln wäre. Doch ihre Beziehung wird ebenfalls von den Erfahrungen gesellschaftlicher Benachteiligung, die sie jeweils machen mussten, geprägt.

Auf der anderen Seite Welt – in Nepal – begleitet Saurav Ghimire mit „Songs of Love and Hate“ über 17 Minuten einen Unbekannten auf einer Reise an den scheinbar abgelegensten Ort des Landes.
Im Hintergrund zu hören sind Anrufer einer Beziehungsratgeber-Radioshow, die von schmerzhaften Konflikten ihrer Liebe mit den gesellschaftlich gesetzten Grenzen der nepalesischen Gesellschaft berichten.
Der Regisseur erklärte im Publikumsgespräch, die Bilder sollten vor allem einen Raum für den Schmerz vieler Nepalesen geben, die ihre Liebe aufgrund gesellschaftlicher Vorschriften nicht leben können. Doch obwohl der Film mit seinen dunklen Tönen tatsächlich einen bedrückenden Effekt erzeugt, ist es schwierig als Außenstehender auf diese Art Zugang zu diesem Konflikt einer fernen Gesellschaft zu erhalten. Auf mich wirkten Bild und Ton eher willkürlich.
So ging es scheinbar auch meinen Sitznachbar*innen, denn sowohl der ältere Herr auf meiner rechten als auch eine Jugendliche auf meiner linken Seite schlossen die Augen und begannen gleichmäßig zu atmen, bis der Applaus des Abspanns sie wieder weckte.

Ganz anders bei „Muna“. Der Kurzfilm aus Großbritannien erzählt von dem Konflikt einer Jugendlichen mit ihren migrantischen Eltern und ihrem Kampf, für sich selbst in einer von Traditionen dominierten Welt einzustehen.
Dabei referenziert die Regisseurin Warda Mohamed Elemente aktueller Popkultur und lässt Muna beispielsweise eine Spotify Playlist für ihren Gruppenchat erstellen. Dadurch erweckt sie die Jugendliche zum Leben, deren Kampf um Unabhängigkeit und Verbindung zu ihren Vorfahren plötzlich nah scheint.

Enden tut unsere Reise in Südfrankreich. Im leeren Ferienhaus seines Großvaters möchte der 16-jährige Clément nicht länger darauf warten, erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln und swiped durch die Datingplattform Grindr. In den Gesprächen mit seinem einige Jahre älteren Date, das nach ein paar Stunden erscheint, und den unvorhergesehenen Wendungen des Abends sammelt er jedoch etwas, das viel wertvoller ist.
„Un invincible été“ ist zunächst in seiner Bildgestaltung und Farbgebung beeindruckend. Die Kamera bringt das Gefühl der Großeltern-Sommerferien einfach auf den Punkt. Es ist spannend Clément zuzusehen, wie er versucht, die „Erwachsenenwelt“ zu erkunden. Besonders der Kontrast zum Leben seines Großvaters ist gut gesetzt und regt zum Nachdenken an.
