eine Kritik zu „Uiksaringitara“.
Mit der Weltpremieren von „Uiksaringitara“ (The Wrong Husband) kehrt Regisseur Zacharias Kunuk nach einigen Jahren wieder in das Berlinale Programm zurück und zieht damit nicht nur Generation Blicke auf sich. Kunuk gilt als einer der bedeutendsten Inuit Filmschaffenden und mitbegründete die erste unabhängige Inuit-Produktionsfirma, Isuma. Isuma soll Inuit Filmschaffenden eine Plattform geben und Selbstbestimmung ermöglichen. Seit den 1990er Jahren produziert und führt Kunuk Regie bei Filmen von, mit und über Inuit und gewann mehrere Preise. Wie auch Kunuks vorherige Filme erzählt „Uiksaringitara“ also die Geschichte von Menschen aus der Community der Inuit:
Ausgangspunkt ist das in der kanadischen Arktis gelegene Gebiet Nunavut vor 4000 Jahren. Kaujak (Theresia Kappianaq) und Sapa (Haiden Angutimarik) leben mit ihren Familien seit kleinauf zusammen. Bei ihrer Geburt wurden sie einander versprochen und mit dem Erwachsenwerden entwickelt sich eine enge und ehrliche Beziehung zwischen den beiden. Sie stehen vor den letzten Zügen der Familiengründung und planen fest eine Zukunft zusammen, als Kaujaks Vater plötzlich stirbt. Und noch plötzlicher taucht ein fremder Mann auf, während Sapa auf der Jagd ist, und hält um die Hand von Kaujaks Mutter an. Kaujak und ihre Mutter haben keine andere Möglichkeit als dem neuen Ehemann in dessen Camp zu folgen und ein neues Leben aufzubauen. Doch Kaujuk ist in ihren Gedanken nur bei Sapa und wehrt sich gegen die Bemühungen um sie von jungen Männern aus dem neuen Camp. Sapa, der von der Jagd zurückkehrend von seinem und Kaujuks Schicksal erfährt, will ebenso alles mögliche tun um Kaujuk zurückzugewinnen, und so versuchen sie mit der Hilfe von Schamanen wieder zu einander zu finden.

Schon in den ersten Minuten von „Uiksaringitara“ wird klar, dass es sich hierbei um einen besonderen Film handelt. Geheimnisvolle Sequenzen, die Anfangs kaum der Handlung zugeordnet werden können, untermalt von spannungsvoller Musik, kehren zwischendurch immer wieder. Schnell wird klar, dass es sich hier um den Kontakt von bösen und guten Schamanen handelt, die den Protagonist:innen zur Seite stehen. Zwischendurch sorgt das dafür, dass nicht immer ganz eindeutig ist wo sich die Grenzen zwischen Realität und Phantasie ziehen, aber gibt „Uiksaringitara“ auch seinen Reiz. Die Handlung wird begleitet von eindrucksstarken Bildern der Landschaft, die durch die ruhige Kameraführung eingefangen werden. Der Alltag und das traditionelle Leben der Protagonist:innen bekommt viel Raum und das Publikum kann Sapa, Kaujuk und ihren Familien einerseits dabei zusehen wie sie Essen zubereiten, sich für die Jagd vorbereiten und Kleidung reparieren, andererseits besondere Rituale und das Miteinander verfolgen.
Sapa und Kaujuk sind zwei starke junge Menschen, deren Gefühle und Gedanken trotz der wenigen Worte wunderbar vermittelt werden. Auch wenn das traditionelle Leben von Inuits und deren Alltag weit weg von meinem ist, kann ich mit Sapa und vor allem Kaujuk sympathisieren und ihre Gefühle nachvollziehen. Und trotz der vielen Unterschiede zum heutigen, „westlichen“ Leben erzählt „Uiksaringitara“ eine Geschichte, die moderner und näher nicht sein könnte und von der viel gelernt werden kann: von selbstbestimmter Liebe und selbstbestimmtem Leben.
Nicht nur die Darsteller:innen von Sapa und Kaujuk, sondern auch der gesamte Cast und der Großteil der Produktion wurde von Inuit-Personen besetzt. Damit verfolgt Kanuk sein Ziel des selbstbestimmten Filmschaffens und geht Hand in Hand mit der im FIlm erzählten Geschichte. Dass „Uiksaringitara“ mit in das Generation Programm der diesjährigen Berlinale aufgenommen wurde, sehe ich als großes Geschenk. Gerade als europäisches Filmfestival marginalisierten Gruppen ihre Stimme zurück zu geben und Einblicke in Leben zu bekommen, in das Europäer:innen in der Vergangenheit eingedrungen sind und es zerstört haben, ist in Zeiten wie diesen unheimlich wichtig. An „Uiksaringitara“ kann ich damit nur eine große Empfehlung aussprechen – ein inspirierender und besonderer Film, den wir alle gesehen haben sollten.
An folgenden Terminen könnt ihr „Uiksaringitara“ noch während der Berlinale anschauen:
Montag, 17.02.25, 9:45h
Filmtheater am Friedrichshain
Dienstag, 18.02.25, 13:00h
Cubix 6
Donnerstag, 20.02.25, 19:00h
HKW 1 – Miriam Makeba Auditorium
