Abende wurden gemeinsam verbracht, es wurde gelacht, geweint, sich geärgert und gewundert. Blätter sind an den Ästen gesprossen, Referate wurden vorbereitet, Karteikarten beschriftet und Prüfungen geschrieben. Alle Prüfungen, bis zum Schluss. Noch ein letztes Mal kommen die Schüler:innen des Abschlussjahrgangs einer religiösen Highschool in Brooklyn zusammen, um sich zu erinnern. Sie folgen einem Ritual ihrer Religionsgemeinschaft, dem Quäkertum. Dabei schweigen alle Mitglieder der Gemeinde gemeinsam in einem Raum. Währenddessen können alle Anwesenden jederzeit aufstehen und einen Eindruck teilen. Danach wird weiter geschwiegen, um das Gesagte zu reflektieren. Das Treffen nimmt eine unerwartete Wendung, als eine Schülerin zugibt, sich den anderen niemals verbunden gefühlt zu haben.
„Quaker“ kann als Geschichte über Gemeinschaft in religiösen Schulen verstanden werden. Denn die Regisseurin Giovanna Molina berichtet mit diesem Film auch von ihren eigenen Erfahrungen an einer Quaker Highschool. Doch es wird dem Short nicht gerecht, ihn darauf zu beschränken.
Er reflektiert die Absurdität einer Dynamik des Abschiedes, die vermutlich die meisten kennen, die auf ihre Schulzeit zurückblicken. Die unausgesprochene Nähe, die einen mit jenen Mitschüler:innen verbindet, die man für die letzten sechs Jahre seines Lebens täglich sah und doch an einer Hand abzählen kann, wie oft man sich wirklich unterhielt. Man ist sich nah und doch fremd.
Auf der von Regisseurin Giovanna Molina und Director of Photography Vittoria Campaner liebevoll eingerichteten Bühne finden nun diese unausgesprochenen Gegensätze wortwörtlich Gehör. Noch ein letztes Mal, bevor man sich vielleicht nie wieder begegnet. Und während sich das für manche so anfühlen mag, als würden sie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen, so ist es für andere wie eine Befreiung aus dem Gefängnis.
„Quaker“ ist Tei des Kurzfilmprogramms 2 der Sektion Generation 14plus 2025.
