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Wenn Sex vor der Ehe tabu und Abtreibung strafbar ist – Hintergrundartikel zu „Sunshine“

Ein Hintergrundartikel zu Sunshine

Sunshine ist ein 19 jähriges philippinisches Mädchen und Profiturnerin. Ihr Leben wird von einem Moment auf den Anderen auf den Kopf gestellt als sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält.

Sunshines Traum der Olympics droht zu zerplatzen und verzweifelt begibt sie sich auf die Suche nach einem Weg um abzutreiben. Doch diese Suche erweist sich in dem überwiegend katholisch geprägten Land nicht nur als schwer und einsam sondern auch als äußerst gefährlich. Sie stößt dabei auf jede Menge Verachtung, Ausgrenzung, Schmerz und auf ein 13-jähriges Mädchen, welches durch eine Vergewaltigung geschwängert wurde und nun ebenfalls nach einem Ausweg sucht. Spätestens ab diesem Moment wird die Relevanz und absolute Notwendigkeit des Films für jeden sichtbar. Denn die Geschichten der beiden Mädchen lassen niemanden kalt und sind in den Philippinen leider keine Einzelfälle.

Im Gegenteil: Täglich werden in den Philippinen laut einem Artikel der Kindernothilfe von Christiane Dase fast 500 Babys von Müttern im Alter von 10 bis 19 Jahren geboren. Die Gründe dafür sind mangelnde Aufklärung, Tabuisierung und Stigmatisierung von Sex, eingeschränkter Zugriff auf Verhütungsmittel und natürlich das Verbot und die Strafbarkeit von Abtreibungen. Etwa 80 % der philippinischen Bevölkerung ist katholisch, es gibt keine Anlaufstellen oder Räume des Austausches und der Aufklärung für sexuell aktive Jugendliche. Stattdessen wird das Thema totgeschwiegen und mit Scham besetzt.

Kommt es zu Schwangerschaften heißt es laut einem Spiegel-Interview mit Junice Melgar dann meist: „Stehe zu deinem Fehler, trage das Kind aus“. Oft stammen die minderjährigen Mütter aus armen Verhältnissen mit geringem Bildungsstand. Als Folge der Schwangerschaft brechen sie dann oft selbst die Schule ab und bleiben somit in der Armutsspirale. Besonders schockierend ist, dass Abtreibungen auch im Falle der Bedrohung des Lebens der schwangeren Frau und bei Vergewaltigungen verboten bleiben. Ärzt*innen, die im Untergrund Schwangerschaftsabbrüche durchführen und dabei erwischt werden verlieren ihre Lizenz und kommen ins Gefängnis. Aufgrund der jungen und noch nicht vollständig entwickelten Körper sowie mangelnder medizinischer Versorgung, zählen Geburten laut Malger zu den Haupttodesursachen minderjähriger Mädchen.

Bei der absoluten Tabuisierung des Themas, der Aussichtslosigkeit aufgrund der fehlenden Existenz von sicheren Mitteln und der potentiellen sozialen Ausgrenzung liegt es nahe, dass sich schwangere Teenagerinnen andere Wege suchen, um sich aus ihrer Notlage zu befreien. Leider beinhalten diese oft unseriöse Methoden des Schwarzmarktes oder selbst durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche, die nicht selten durch Verblutungen oder andere körperliche Schädigungen zur Tötung der Schwangeren führen.

„Sunshine“ hat mir Tränen und ein noch stärkeres Bewusstsein für die grundlegende, erschütternde Notwendigkeit eines Rechts, welches es Frauen erlaubt frei über ihren Körper zu bestimmen, beschert. Niemand sollte sich diesen wichtigen aber auch schönen und in Teilen humorvollen Film entgehen lassen.

Auf der Seite von „Kinder in Not“ lässt sich für diesen und andere Zwecke spenden.

  • Sea

    Sea, 17 Jahre, ist begeisterte Kinogängerin und interessiert an jeglicher Art von künstlerischem Ausdruck. Am Besten gefallen ihr dabei Geschichten und Werke, die einen noch lange begleiten und der Austausch mit anderen über Kunst. Dafür ist die Berlinale zweifellos der perfekte Ort, weshalb sie sehr froh ist bei Freie Generation - Reporter dabei zu sein.

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