Jahr: 2025

Ein liebevolles Portrait von Sisterhood
Kritik

Ein liebevolles Portrait von Sisterhood

Eine Kritik zu „Dreams in Nightmares“, der in der Sektion Panorama gezeigt wird.  Dröhnende Musik, die langsam immer intensiver wird, schallt aus den Lautsprechern. Die ersten Zuschauenden halten sich die Ohren zu. Dazu die schwarz-weiß-Bilder von Feldarbeit und eines Ackerweges, der hinunter gefahren wird. Die Musik spitzt sich immer weiter zu, die Bedrückung ist kaum noch auszuhalten, bis die Musik schlagartig verstummt und das Publikum in den Film entlassen wird.  Nachdem ihr der Job gekündigt wird, sucht Z ihre zwei engsten Freundinnen in New York auf. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einer weiteren Freund:in, die sich länger nicht mehr gemeldet hat. Das Publikum wird mitgenommen auf einen Roadtrip durch die USA, der eine tiefgehende und liebevolle Freundsch...
„When you hear all these horrible stories you simply have to make this film“ – An interview with the director of Sunshine
Interview

„When you hear all these horrible stories you simply have to make this film“ – An interview with the director of Sunshine

With Sunshine (review) the experienced Filipina film maker Antoinette Jadaone presents a film that addresses the stigma surrounding abortion in her deeply Christian country. I had the opportunity to meet her and the male lead Elijah Canlas at Berlinale Palast to ask them a few questions. We talked about the state of abortions in the Philippines, and what it means to create a film covering such a difficult topic. Free Generation Reporters (fGR): What sparked your idea for the film? Antoinette Jadaone: I don't know if you have heard of the film Jojo Rabbit by Taika Waititi. It is a little bit of a weird connection, but in the film, the lead character had an imaginary friend who is Hitler. While watching it, I wasn't able to focus on the film anymore. I had this light bulb idea of a teen...
Systemkritisches Drama mit viel Herz und Humor
Kritik

Systemkritisches Drama mit viel Herz und Humor

eine Kritik zu „Sunshine"Mehr zu dem Schwangerschaftsrecht auf den Philippinen könnt ihr hier lesen. Sunshine steht auf der Turnmatte, auf ihrem Wettkampfsanzug prangt die philippinische Nationalflagge. Um sie herum wird alles still. Sie schließt die Augen, volle Konzentration. Musik setzt ein, Leute jubeln, Sunshine öffnet die Augen, lächelt und setzt zur Performance an. In die philippinische Nationalmannschaft zu kommen und bei Olympia bei der Rhythmischen Sportgymnastik für ihr Land anzutreten ist Sunshine’s (Maris Racal) größter Wunsch. Seit über 10 Jahren trainiert sie dafür täglich, alles dreht sich um den Sport und ihr Ziel ist zum Greifen nahe - als sie plötzlich im Training ohnmächtig wird und durch den danach heimlich gemachten Schwangerschaftstest erfährt, dass sie schwan...
Die Feuersage vom Affenjungen
Kritik

Die Feuersage vom Affenjungen

Eine Kritik zu Ran Bi Wa Schemenhafte Waldstriche, grauweiße Schneelandschaften und eine abenteuerliche Reise, die Suche nach dem geheimnisvollen Heiligen Berg. "Ran Bi Wa - A Story About Fire" ist eine poetische Fabel über einen Affenjungen - Ran Bi Wa - und seinen treuen Gefährten, den Wolf Doggie. Gemeinsam ziehen sie los, das Geheimnis der Wärme zu lüften und verfolgen dabei die Spur von Ran Bi Was Mutter Awubaji, die sich Jahre zuvor auf dieselbe Suche machte. Doch bevor sie am Heiligen Berg angelangen, müssen sie viele Gefahren durchstehen und Herausforderungen bewältigen. Währenddessen wird ständig zwischen den zwei Erzählebenen gewechselt, denn in einer Art Déjà-vu-Sequenzen werden Parallelen zu Awubajis Reise gegengeschnitten, die viele Erlebnisse schon vor Ran Bi Wa und Dog...
Warten bis es dunkel wird – über eine der gefährlichsten Migrationsrouten Amerikas
Film und Poetry, Hintergrund

Warten bis es dunkel wird – über eine der gefährlichsten Migrationsrouten Amerikas

Kritik, Hintergrundartikel und Gedicht zum Kurzfilm Atardecer en América Und plötzlich drückt sich eine unkontrollierte Traurigkeit aus dem Bauch nach oben, und ich weine. Ich sitze da vor meinem Computer, mitten in der Recherche, und muss weinen. Ich sehe die Bilder des Kurzfilms wieder auftauchen, sehe die Landschaft – die Altiplano-Hochebene – verschwinden, die Menschen, Tiere und Natur verschwinden. Sehe Menschen sterben. Höre die Schlagwörter der Artikel, die ich gelesen habe: Venezuela – zweitgrößte Fluchtbewegung weltweit, 7,7 Millionen Menschen, dazu Klimaflüchtlinge, Trockenheit, Temperaturanstieg, 7.000 Kilometer von Venezuela nach Chile, Dunkelziffern. „Atardecer en América“ – Sonnenuntergang über Amerika heißt der Kurzfilm, der mich so stark bewegt und zu der Recherche ge...
French Rap als Erbe
Kritik

French Rap als Erbe

Eine Kritik zu Têtes brûlées Wie kann ein junger Mensch mit dem Verlust eines Geliebten umgehen? Wie hält man den Schmerz aus, wo ist Raum für ihn? Und wo nimmt man die Kraft her, weiterzumachen? Mit diesen Fragen ist die zwölfjährige Eya konfrontiert, als plötzlich, aus dem Nichts, ihr großer Bruder Younes stirbt. Trotz der 13 Jahre Altersunterschied sind die beiden einander die engsten Bezugspersonen gewesen. Immer und überall füreinander da. Younes spielt die zentralste Rolle in Eyas Leben. Er war Freund, Wegbegleiter, Vorbild und Helfer in Not.  Die Beziehung der beiden war geprägt von Zärtlichkeit, Verständnis, Fürsorge und Stolz. Stolz, der auf Gegenseitigkeit beruht. Man sah ihn in ihren Augen, wenn er sie mit dem Roller von der Schule abholte. Und man sah ihn in seinen Augen, we...
Neu und Fremd
Kritik

Neu und Fremd

Was würdest du tun, wenn du aufwachst, deine Nachrichten checkst und darin plötzlich ein Video deines nie zuvor gesehenen Vater entdeckst? Würdest du dich freuen? Hättest du Angst? „Paternal Leave“ von Alissa Jung gibt eine mögliche Antwort auf diese ungewöhnliche Frage. Der Film zeigt die 15-jährige Leo, die sich entscheidet, der Fährte nachzugehen und porträtiert dabei die neu entstehende Beziehung zwischen Leo und ihrem Vater. Zwischen Wut und Freude, Angst und Geborgenheit verführt der Film in die Geschichte einzutauchen und lässt die knapp zwei Stunden Film fast vergessen. Mit einem Rucksack und jeder Menge aufgestauter Gefühle reist Leo heimlich zu ihrem italienischen Vater, den sie durch Zufall in einem Video im Internet entdeckt hat. Mit dem Ziel, Antworten auf all ihre unbeantw...
The art of creating change
Interview

The art of creating change

An interview with Rima Das. Generation has the tendency to pull film makers back to Berlin again and again over the years. Sometimes it is for a second film, often they come back as part of the International Jury. For Rima Das it is already her third visit at Berlinale. After presenting her feature film Bulbul Can Sing (review) in the 2019 Generation program and returning as part of the International Jury in 2020, she is now showing her most recent feature film Village Rockstars 2 (review) in the 14Plus competition. The day after the European premier, Liv and I sit down with her and leading actress Bhanita Das at Berlinale Palast for an extended chat. In 2019 Liv and Carlotta already had the pleasure to interview her about Bulbul Can Sing (read here) and it’s a heartfelt reunion on ...
Wenn Sex vor der Ehe tabu und Abtreibung strafbar ist – Hintergrundartikel zu „Sunshine“
Hintergrund

Wenn Sex vor der Ehe tabu und Abtreibung strafbar ist – Hintergrundartikel zu „Sunshine“

Ein Hintergrundartikel zu Sunshine Sunshine ist ein 19 jähriges philippinisches Mädchen und Profiturnerin. Ihr Leben wird von einem Moment auf den Anderen auf den Kopf gestellt als sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält. Sunshines Traum der Olympics droht zu zerplatzen und verzweifelt begibt sie sich auf die Suche nach einem Weg um abzutreiben. Doch diese Suche erweist sich in dem überwiegend katholisch geprägten Land nicht nur als schwer und einsam sondern auch als äußerst gefährlich. Sie stößt dabei auf jede Menge Verachtung, Ausgrenzung, Schmerz und auf ein 13-jähriges Mädchen, welches durch eine Vergewaltigung geschwängert wurde und nun ebenfalls nach einem Ausweg sucht. Spätestens ab diesem Moment wird die Relevanz und absolute Notwendigkeit des Films für je...
Die selbsternannten Künstler*innen
Kritik

Die selbsternannten Künstler*innen

Eine Kritik zu UMIBE È IKU MICHI - SOMMERLICHE ZUFÄLLE Eine schwarze Katze, eine Maklerin, eine Meerjungfrau und eine Pfeife in Form eines Kanarienvogels. So zusammenhangslos diese Dinge auf den ersten Blick scheinen, so zusammenhangslos bleiben sie auch den gesamten Film über. Viele Geschichten, viele Figuren und am Ende weiß man nicht mehr wirklich, wer wer ist. Aber das macht nichts. Dieser Film benötigt keine Stringenz, kein klassisches von Vorne bis Hinten und erst recht kein vollkommenes Auserzählen jeder Handlung. Er wird der Fantasie der Zuschauer*innen überlassen. Wir befinden uns in Japan, in einer Stadt am Meer, irgendwo zwischen Fiktion und Realität. Es ist heiß, es sind Sommerferien und sowohl für die Einwohner*innen als auch die Besucher*innen des Küstenstädtchens b...