Mit nur einem einzigen Wort kommt „Papaya“ über 71 Minuten aus – und das ist der Titel selbst. In einer liebevollen Collage aus einfachen Formen und Fotografien erzählt der Animationsfilm die Geschichte eines kleinen Samens, der in die Welt gesetzt wird, doch keine Wurzeln schlagen möchte. Stattdessen will der schwarze Punkt die Welt erkunden, und das tut er: Er springt und kriecht, beobachtet und versteckt sich.
Neben den fliegenden Samen des Löwenzahns, die er beneidet, findet er schließlich in ein Industriegebiet, das die Magie der Natur in eckige Boxen packen möchte. Priscilla Kellen (Regie und Drehbuch) betrachtet so die Beziehung zwischen dem Leben der Natur und der scheinbar leblosen Industrie auf eine lebensfrohe Art.
Als ich im Abspann den Namen von Alê Abreu als Produzenten entdeckte, konnte ich nicht anders, als Parallelen zu Abreus letztem Film „Das Geheimnis der Perlimps“ zu ziehen. Zwar richtet sich dieser an ein etwas älteres Publikum, erzählt aber ebenfalls voller Liebe und mit Musik vom Kampf gegen Umweltzerstörung und Totalitarismus.
Auch bei „Papaya“ ist die Musik nicht wegzudenken. Sie vermittelt die Eindrücke des Samens so ausführlich, dass Worte es nicht hätten besser tun können.
Für ein Publikum ab vier Jahren ist der Film auf jeden Fall eine spannende Erzählung über den Lauf des Lebens. Und auch wer schon älter ist und sich mit bunten Erzähltechniken ohne Worte auseinandersetzen will, ist bei „Papaya“ bestens aufgehoben.


