Black Burns Fast

aufwachsen und aufwachen

„Black Burns Fast“ von Sandulela Asanda erzählt die Geschichte von Luthando (Eshile Ndleleni), sie ist Schülerin einer renommierten Privatschule in Südafrika. Luthando ist eine eifrige Schülerin und verbringt ihre Freizeit mit kaum jemand anderem als ihrer besten Freundin Jodie (Mila Smith). All das ändert sich, als eine neue Schülerin, Ayanda (Muadi Ilung), in ihre Klasse kommt. Ayanda weckt Gefühle in Luthando, mit denen sie nicht umzugehen weiß. Doch Luthando lässt sich davon nicht abschrecken und die beiden kommen sich immer näher. Der Film zeigt, dass man für junge Liebe sich oft selbst vergisst. Je enger Luthando mit Nayanda wird, umso weiter entfernt sie sich von ihrer besten Freundin, ihren akademischen Zielen und auch sich selbst. Doch sie entdeckt auch neue Facetten an sich und vor allen Dingen bemerkt sie, dass sie mehr ist als die strebsame, ruhige Luthando.

Gemeinsam mit der Protagonistin entdecken wir ihre Sexualität und das Chaos der ersten großen Liebe. Luthando ist nicht das erste Mal verliebt, doch das erste Mal werden ihre Gefühle erwidert. Sie wächst in einem heteronormativen Umfeld auf und ordnet ihre Gefühle Nayanda gegenüber nicht direkt als romantisch ein. Der Sexualkundeunterricht könnte ein Raum sein, in dem jungen Menschen die Überforderung mit der eigenen Sexualität genommen wird.Der Film zeigt, wie wenig Aufklärung die Schule über Sexualität leistet.  

In der Schule herrschen Hierarchien, die wir aus klassischen US-Highschoolfilmen kennen. Doch durch diese Strukturen ziehen sich auch die Nachwehen der nun seit 30 Jahren aufgehobenen Apartheid in Südafrika. Luthando fängt an, diese Strukturen mehr zu bemerken und sich dagegen zu wehren. Apartheid war ein gesetzlich verankertes System der sogenannten Rassentrennung  in Südafrika, das offiziell von 1948 bis 1994 andauerte. Der Film erzählt nicht nur eine junge queere Liebesgeschichte, sondern beleuchtet auch den strukturellen Rassismus in Südafrika. Die zum Großteil weißen Lehrpersonen unterstützen diese Strukturen, ohne sie zu hinterfragen. Dadurch übernimmt auch der weiße Teil der Schülerschaft die rassistischen Denkmuster, ohne dafür verurteilt zu werden. Zum Beispiel wird nach einem Streit zwischen Luthando und einem Mitschüler, in dem sie ihm vorwirft, sich die Privilegien, die er während der Apartheid genossen hätte, zurückzuwünschen, nur sie bestraft. Durch eine Überzeichnung der weißen Charaktere wird die Absurdität davon, wie wohl sie sich mit ihrem internalisierten Rassismus fühlen, dargestellt. Oft gibt es in Mainstreamfilmen den „funny black character“, der keine weitere Aufgabe als die des comic reliefs übernimmt. In „Black Burns Fast“ übernehmen die weißen Charaktere diese Rolle. Ein erfrischender Perspektivenwechsel.

Der Film bedient sich unterschiedlicher Mittel des visuellen Storytellings.Echte Requisiten vor Ort werden für eine überspitzte Darstellung von Luthandos Gefühlen genutzt. Fast schon comicartig werden ihr zum Beispiel, als sie Ayanda das erste Mal sieht, Pfeile mit Herzchen aus dem Off vor die Augen gehalten. Auch arbeitet der Film mit CGI(Computer-Generated Imagary) und Collagen. Er malt aus, was sonst oft nur in der Vorstellung einer heranwachsenden Person passiert. Die Selbstgespräche vor dem Spiegel werden durch Animation zum Auswählen eines Avatars  und die Augen ihrer, sie anstarrenden, Mitschüler tauchen direkt neben ihrem Kopf auf. Es fühlt sich an, als würde man in das mit Kritzeleien und Bildern übersäte Tagebuch eines Teenagers hineinschauen. Im Kopf eines jeden jungen Menschen herrscht oft Chaos, und so kommen auch in dem Film unterschiedliche Themen zusammen.

Wo der Film leider hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist in der dramaturgischen Ausführung eines Konflikts.

„Black Burns Fast“ erreicht seinen Höhepunkt, als ein Video im Netz kursiert, welches zur Suspendierung von Luthando und Ayanda führt. Anders als Luthando ist Ayanda nicht auf ein Stipendium angewiesen und nimmt die Suspendierung daher eher auf die leichte Schulter. Hier prallen ihre unterschiedlichen Welten aufeinander und es wird endgültig klar, wie weit ihre Lebensrealitäten doch voneinander entfernt sind.

Diesen Höhepunkt erreicht die Geschichte erst relativ spät im Film und lässt daher wenig Zeit für die Auflösung. Einige Aspekte werden nicht hinreichend ausgearbeitet, wie zum Beispiel die Beziehung zwischen Luthando und ihrer Mutter. Ihre Mutter ist zu Zeiten der Apartheid aufgewachsen, und dass diese ihr noch tief in den Knochen sitzt, merkt man auch in der Erziehung ihrer Tochter. Durch die teilweise schon fast slapstickartige Erzählung werden manche Themen nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit bearbeitet. Trotzdem muss man sagen,dass der Film wichtige Themen aufgreift und zumindest einen Diskurs aufmacht. Der Film nimmt sich nur leider mehr Zeit für nebensächliche Handlungsstränge, als die komplexen Beziehungen der Protagonist*innen  untereinander zu bearbeiten.

Insgesamt kann man sagen, dass der Film eine lustig und charismatisch erzählte Coming-of-Age-Geschichte ist, die vor allen Dingen visuell Spaß macht anzuschauen.

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