Kritik zu Feito pipa: Lichtglitzernd und funkelstaubend tanzen wir in Gugu’s Welt, die von Bewegung, Leichtigkeit und seiner Großmutter erfüllt wird.
In Feito pipa (pt. wie ein Drachen) wird Gugu’s Welt mit großer Lebensfreude erzählt. Gugu ist ein aufgeweckter bunter Mensch mit vielen Träumen und Zielen. Die Beziehung zwischen Gugu und der Großmutter ist bunt und tief und drückt sich durch die gemeinsame Leidenschaft für Schönheit aus. Schönheit wird nicht als Oberflächlichkeit, sondern als Ausdruck der Freude am Leben gesehen. Der Prozess sich schick anzuziehen, sich zu schminken und zurecht zu machen, wirkt echt und strahlt Verbundenheit aus.
Diese Perspektive ist wichtig. Negative Assoziation und das Abwerten von Schminke, Glitzer und Kleidern ist die Abwertung von Weiblichkeit. Die Darstellung einer tiefen und ausdrucksstarken Auseinandersetzung mit dem eigenen Ausdruck und Aussehen ist stark und empowernd.
Erst durch Musik wird Schwermut in Gugu’s Welt gebracht. Sie wird begleitet von langsamen Natureindrücken. Genau wie Gugu’s Großmutter von nun an Vergesslichkeit und Verlorenheit begleitet wird, wodurch Gugu und seine Freunde früh Verantwortung übernehmen müssen. Sie wissen sich nicht wirklich zu helfen und geben ihr Schlafmittel und sperren sie ein.
Als es nicht mehr weitergeht und die Demenz der Großmutter immer ausgeprägter wird, muss Gugu bei seinem Vater wohnen. Seine Welt verliert nach und nach an Glitzer und Farbe. Sein Vater wertet Weiblichkeit ab und unterstützt allein Gugu’s Fußballspiel, da es als ,,männlich“ angesehen wird. Dabei projiziert sein Vater eigene Unsicherheit und Geschlechterstereotype auf sein Kind und hat Angst selbst ausgelacht zu werden. Das mitanzusehen, ist schmerzhaft und wirkt nach. Denn Gugu verliert durch die fehlende Ausdrucksmöglichkeit auch den Bezug zu sich selbst. Wie der Schauspieler des Vaters bei einer Publikumsbefragung selbst erwähnt, sieht er den Vater sinnbildlich als Teil, den jeder in uns trägt, mit dem wir anderen nicht den Raum geben, selbst frei zu sein. Sein Charakter spiegelt folglich nicht nur die konservative Haltung wider, sondern regt auch zur Selbstkritik an.
Besonders berührend sind Momente der Emotionen. Gugu erlebt diese sehr intensiv. Konträr zur angelernten ,,aus Wut“ lauten und schreienden Erwartung, ist er ganz leise. Seine Wut ist still.
Der Film zeichnet ein Leben, in dem nach und nach das Glitzern verschwindet und schafft es dennoch der Schwermut mit Leichtigkeit zu begegnen. Die Echtheit, Verbundenheit und das Losgelöst-Sein von Erwartungen ist oft an Menschen und Räume geknüpft und sobald diese wegfallen, wird es schwer. Für Gugu und für uns alle.
Feito pipa ist ein Manifest an ein verbundenes und buntes Leben, an Mensch-Sein, an Fehler und an hoffnungsvollen Mut.
Bildquelle: © Aditya Varma


