… ist wohl der abstruseste Film, den das Kplus Programm 2026 zu bieten hat. Doch diesen Platz hat er sich absolut verdient. Mivan, ein elfjähriges Stadtkind, landet bei seiner Tante auf dem indischen Dorf und wird dort mit tödlicher Langeweile konfrontiert. Alles ist fremd. Und Mivan weiß nichts mit sich anzufangen, ist am Handy, im Garten und wird von Stunde zu Stunde immer frustrierter. Ein Gefühl, dass wohl den meisten nicht unbekannt ist: Die unglaubliche, einnehmende Stille, das sinnlose Zeit absitzen. Aber eben auch, was aus dieser Langeweile entstehen kann: Er beginnt auf allem möglichen herumzuschlagen, beobachtet und existiert.
Diese Darstellung von Langeweile und den unscheinbaren, wenig relevanten Alltagsszenen wie das wiederkehrende Element auf Toilette zu gehen, gehören zu der großen Stärke des Films. Es werden Naturklänge und O-Tönen gespielt. Die Blicke und Beobachtungen von Mivan werden eingefangen, auch wenn diese Momente unangenehm und anstrengend auszuhalten sind. Aber dafür sind künstlerische Werke auch da: uns negative Emotionen zu zugestehen und diese lernen auzuhalten.
Aus diesem Grund funktioniert der Film vermutliche nur im Kino, solange die volle Aufmerksamkeit da ist. Fehlt der Fokus und die Zeit sich auf den Film einzulassen wirken diese Situationen belanglos und nichtssagend.
Diese Szenen wirken zunächst einmal irritierend und verweisen auf die Unfähigkeit der heutigen Gesellschaft nichts zu tun und Stille und Langeweile, um unangenehme Gefühle nicht auszuhalten zu können, die mit Dauerüberreizung kompensiert wird. Und vielleicht ist genau das der Punkt, der den Zuschauenden auch auffallen soll: Wie weit die Entfremdung von alltäglichen Situationen und absurden Momenten vorrangeschritten ist. Die Alltagsabstrusität, die ohne Sinn stattfindenden verworrenen Handlungen und Ereignisse, die unser Leben prägen. Die nicht tiefgründig, sondern schlicht und ergreifend einen Zweck an sich (,,Auf Toilette gehen, Beobachten“) aufweisen. Für diese routinierten und unangenehmen Situationen ist dieser Film geschaffen worden.
Diese Entfremdung wird sicherlich auch durch das Leben in der Stadt verstärkt. Mivan steht daher ein Stück weit für dieses Phänomen, der sich mit der Landrealität erst wieder anfreunden und die Dauerüberreizung loswerden muss. In der Stadt wird die Mutterprache nicht richtig gesprochen, sondern internationale Sprachen wie Englisch. Jeden Tag schreibt man mit einem neuen Stift und die Freizeit wird mit Hobbys und Konsum vollgepflastert. Mit diesem Realitätsshift kommt Mivan erst klar, als er sich mit den Menschen im Dorf verbindet. Er baut zu dem Jungen auf dem Pferd eine ganz besondere Freundschaft auf. Auch bei den anderen Mitschülern wird er beliebt, als er ihnen Aspekte aus dem Stadtleben und Abenteuer wie eine Kirmes näher bringt. Auch das Verhältnis zu seiner Tante wird immer herzlicher und freier.
Eine sehr sinnbildliche und realistische Szene für die Realität aus einem Kinderleben, wirkt zunächst eher belanglos. Mivan hat als einziger ein Handy und verbringt viel Zeit damit auf seinem Social-Media Feed herumzuscrollen. Dort findet er absurde und lustige Videos und ein Klick später ein ASMR Video auftaucht, dass gleichzeitig über Kindertraumata aufklärt. Die Gleichzeitigkeit von Brainrots und tiefenpsychologischen Themen wirkt aus der Außenperspektive als Zuschauer*in noch absurder, als bei eigenen scrollen. Die Themen mit denen ein 13jähriges Kind innerhalb von 2min ohne Einordnung konfrontiert werden, ist erschrecken und spiegelt dennoch die harte, kalte Realität.
Der Film trägt auch zur Aufklärung bei und das mit ganz einfacher Sprache. Mivan erklärt Konsens mit so einer Klarheit, die durch die Nebensächlichkeit an Relevanz zunimmt. Es wird kein großes Thema daraus gemacht, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen: Schöne Berührungen, die man möchte sind gut und schlecht nicht in Ordnung.
Auch wenn ,,Not a Hero“ sich teilweise zieht, weisen die Filmemacher*innen großen Mut auf: Erzählen mit Witz eine spannende und ehrliche Geschichte, in der sich junge Menschen selbst wiedererkennen dürfen. Schaffen Raum für Themen, die junge Menschen wirklich beschäftigen und halten unangenehme Stille aus.

© Aditya Varma


