Allá en el cielo

Zwischen Himmel, Tod und Straße

Kritik zu „Nobody Knows the World“

Allá en el cielo

Chitos Leben spielt sich zwischen Trümmern, verstaubten Straßen und riesigen Hochhäusern ab.

In brennender Hitze sitzt er mit seinen Freunden am Straßenrand und verkauft Blumen, hoch oben auf dem Dach seines Zuhauses hilft er seinem älteren Bruder Rockio dessen Tauben zu hüten. Rockio bindet kleine Drogen-Päckchen an die Beine der Vögel und lässt sie zu seinen Kunden fliegen. Chito blickt in den Himmel und sieht den Tauben beim Fliegen zu, wobei ihn ein Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit umgibt, welches ihm unten ganz fremd ist.

Panoramaaufnahmen fangen die außergewöhnliche Kulisse ein, in der diese Geschichte stattfindet: ein Vorort von Lima, in dem sich ein riesiges Steingrab dicht neben das Andere drängt.

Für die beiden Brüder gehören Hitze, Tod und Gewalt zum Alltag. Zwischen den Jugendlichen der Nachbarschaft herrscht ein großer Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn, denn sie alle teilen diesen Alltag.

An einem besonders heißen Tag findet auf einem alten Friedhof, der als Fußballplatz benutzt wird, ein Turnier statt. Rockio spielt mit und wird bejubelt, er ist unter den Leuten seiner Nachbarschaft unter dem Spitznamen „Skinny Dog“ bekannt. Chito betrachtet das Geschehen und seinen Bruder nur von außen. Er unterhält sich mit einem Freund, auf dessen Hals die Worte „Allá en el cielo (Nobody Knows the World)“ tätowiert sind, als auf einmal ein maskierter Junge auf einem Motorrad  am Spielfeldrand vorfährt. Es fallen 2 Schüsse. Einen Augenblick später liegen Rockio und ein anderer Spieler erschossen auf dem Platz.

Gewalt hat ihn zwar schon immer umgeben, doch jetzt blickt Chito ihr direkt ins Gesicht. Die Kamera begleitet ihn, während er versucht mit der Situation und mit seinem Schmerz umzugehen. Die Stimmung des Films kippt eindrücklich und weder dafür, noch für das Offenlegen von Chitos Innenwelt benötigt es viele Worte. Er steigt alleine auf sein Dach und befreit alle Tauben aus ihrem Käfig. Sie fliegen an ihm vorbei in die Freiheit, in den Himmel. Zu seinem Bruder?

Während alle um ihn herum in Gemeinschaft trauern, fällt Chito immer weiter zurück. Mit dem Tod seines Bruders Frieden zu schließen scheint unmöglich, stattdessen lodert in dem 11-Jährigen ein Verlangen auf. Ein Verlangen nach Gerechtigkeit, nach Rache. Ein Verlangen, welches in seiner Welt, in der Waffen und Brutalität allgegenwärtig sind, schnell zu stillen wäre. Doch wie weit treiben seine Trauer und seine Wut ihn am Ende wirklich?

„Nobody Knows the World“ erzählt eine berührende Geschichte darüber, was das Erleben von Gewalt und Tod mit Kindern macht und offenbart dem Publikum damit eine Realität, mit der es sich auseinanderzusetzen gilt! 

  • Sea

    Sea, 17 Jahre, ist begeisterte Kinogängerin und interessiert an jeglicher Art von künstlerischem Ausdruck. Am Besten gefallen ihr dabei Geschichten und Werke, die einen noch lange begleiten und der Austausch mit anderen über Kunst. Dafür ist die Berlinale zweifellos der perfekte Ort, weshalb sie sehr froh ist bei Freie Generation - Reporter dabei zu sein.

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