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Eine Reise voller Zweifel und Unsicherheit

Yun-Ji ist (Sim Subin)ruhig und fällt nicht auf, ihr Leben wird aus der Bahn geworfen als sie ungewollt schwanger wird. „En Route To“ von Yoo Jaein erzählt die Geschichte einer jungen Schülerin die sich für eine Abtreibung entscheidet und begleitet sie auf eine reise voller Zweifel und Unsicherheit. Auf dieser Reise bleibt sie doch nicht allein, ihre Mitbewohnerin Kyung-Sun(Lee Jiwon) steht ihr zur Seite. Ein Film über Freundschaft und Zusammenhalt.  

Der Film spielt in Südkorea. Von 1953 bis 1973 war Abtreibung in Südkorea unter allen umständen Illegal. Ein Verstoß gegen das Gesetz konnte mit einer Geldstrafe bis zu einer Gefängnisstrafe geahndet werden. Unter ein Verstoß gegen das Gesetz zählt eine selbstherbeigeführte Abtreibung(Artikel 269) genauso wie ein durch medizinisches Fachpersonal durchgeführten Schwangerschaftsabbruch(Artikel 270). 1973 wurde das Gesetz welches Abtreibungen kriminalisierte, unter Berücksichtigung des Gesetz über die Gesundheit, von Müttern und Kindern angepasst. Ab 1973 war ein Schwangerschaftsabbruch unter folgenden Umständen erlaubt: Wenn die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung oder Inzest resultierte, die Eltern des ungeborenen Kindes eine bestimmte Erbkrankheit oder übertragbare Krankheit haben oder wenn die Schwangerschaft auszutragen die Gesundheit der Mutter gefährden würde. Mit der steigenden Geburtenrate in den 1960er bis 1980er Jahren stieg auch die Anzahl der Abtreibungen, trotz des herrschenden Abtreibungsverbotes. Schwangerschaftsabbrüche wurden sogar von der Regierung empfohlen um die Geburtenrate zu senken.  Als die Geburtenrate in Südkorea bis zu den 2000ern  drastisch sank wurden das Abtreibungsverbot mit neuer Härte durchgesetzt und Verstöße wurden streng verfolgt. Gegen dieses Gesetz protestierte die feministische Bewegung in Südkorea seit der Verabschiedung. Nach einem Jahrzehntelangem ermüdenden Kampf, erringen sie 2019 endlich einen Sieg. 2019 erklärte das Verfassungsgericht das Abtreibungsgesetz für verfassungswidrig, da es die Autonomie der Frau einschränkt. Es wurde beschlossen, dass das Abtreibungsverbot bis spätestens Ende 2020 überarbeitet werden muss, sonst würde es aufgehoben werden. Diese Deadline wurde nicht eingehalten und seit 2021 ist das Abtreibungsgesetz aufgehoben. Es gibt in Südkorea momentan kein neues Gesetz welches Abtreibung kontrolliert oder einschränkt. Da es keinen gesetzlichen Rahmen für Abtreibung gibt, gibt es auch keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Eine Konsultation für einen Schwangerschaftsabbruch ist relativ günstig und wird teilweise vom nationalen Gesundheitssystem abgedeckt, den eigentlichen Abbruch aber muss die Frau komplett selbst finanzieren. Dadurch ist eine Abtreibung nicht für alle zugänglich. In dem Film „En Route to“ überlegt die Protagonistin kurzzeitig doch das Kind zu behalten. Sie bekommt einen Platz in einer Unterkunft in der sich um sie und andere werdende Mütter gekümmert wird. In Südkorea gibt es für Frauen nach der Entbindung sogenannte „Mütterhotels“, dort kümmert sich Fachpersonal um die Säuglinge während die Mütter Essen von Sterne Köchen bekommen und Massagen genießen können. Diese Einrichtungen sind ein Versuch Frauen dazu anzuregen mehr Kinder zu gebären. Mit 0,7 Kindern pro Frau hat Südkorea die niedrigste Geburtenrate der Welt. Viele Frauen in Südkorea entscheiden sich aktiv gegen Kinder. In dem Konservativen, von patriarchalen Strukturen durchzogenen Land, bedeutet Kinder kriegen für Frauen meist ihren Job aufzugeben. 

Diese patriarchalen Strukturen werden auch im Film thematisiert, der Fokus liegt jedoch auf den beiden Freundinnen. Es ist ungewöhnlich das der Fokus nicht darauf liegt, dass Abtreibung ein umstrittenes Thema ist und wahrscheinlich bleibt. Der Fokus in „En Route To“ ist eine willkommene Abwechslung in der Abtreibungsdebatte. Leider ist die Geschichte etwas diffus und viele Handlungstränge ergeben keinen Sinn oder werden nach einer Zeit fallen gelassen. Der Film setzt ein Statement doch bleibt bei der dramaturgischen Ausarbeitung hinter den Erwartungen zurück.

Quellen:

Kim,Sunhye (07.02.2023):From Population Control to Reproductive Justice,https://verfassungsblog.de/from-population-control-to-reproductive-justice/ [24.02.2026]

Kretschmer,Fabian (11.04.2019):Südkorea legalisiert Abtreibung,https://www.dw.com/de/s%C3%BCdkorea-legalisiert-abtreibung/a-48289645 [24.02.2026]

Meyer,Maren(02.06.2024): Kampf gegen Geburtenrückgang, https://www.tagesanzeiger.ch/geburtenrueckgang-bremsen-suedkorea-verwoehnt-muetter-im-hotel-834157688774 [24.02.2026]

Graça-Peters,Katharina(07.03.2020): Kinder?Ohne mich,https://www.spiegel.de/ausland/suedkorea-und-die-niedrige-geburtenrate-warum-viele-koreanerinnen-keine-kinder-moechten-a-40617d97-7761-43f0-ac63-4d63f3433a17 [24.02.2026]

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