Autor: Johanna

Johanna, 25, geht schon seit sie denken kann mit ihrer Schwester auf die Berlinale. 2013 wurde sie zum Gründungsmitglied der freien Generation Reporter:innen. Wenn sie nicht gerade über die Filme und Hintergründe des Generationprogramms schreibt, singt sie im Chor und verschlingt ein Buch nach dem anderen. Nebenbei studiert sie auch im Master Ernährungsmedizin in Lübeck.
The art of creating change
Interview

The art of creating change

An interview with Rima Das. Generation has the tendency to pull film makers back to Berlin again and again over the years. Sometimes it is for a second film, often they come back as part of the International Jury. For Rima Das it is already her third visit at Berlinale. After presenting her feature film Bulbul Can Sing (review) in the 2019 Generation program and returning as part of the International Jury in 2020, she is now showing her most recent feature film Village Rockstars 2 (review) in the 14Plus competition. The day after the European premier, Liv and I sit down with her and leading actress Bhanita Das at Berlinale Palast for an extended chat.  In 2019 Liv and Carlotta already had the pleasure to interview her about Bulbul Can Sing (read here) and it’s a heartfelt reunion on...
Die Suche nach dem Sinn
Kritik

Die Suche nach dem Sinn

Eine Kritik zu Zhi Wu Xue Jia. Ein Tannenzapfen treibt den Fluss entlang. Ein kasachischer Junge sammelt Blätter für sein Herbarium. Nach einigen Tagen wird er dabei von einer neuen Freundin begleitet. Ein alkoholkranker Bruder, der sich zurück in die Stadt sehnt und ein sprechendes Pferd. Es ist der erste von vier Filmen am ersten vollen Generation-Kinotag und ich bin nicht bereit für die langen Einstellungen, ruhigen Beobachtungen und Monologe aus dem Off, die den chinesischen Film Zhi Wu Xue Jia von Jing Yi ausmachen. Ästhetisch schön anzusehen ist Der Botaniker allemal. Mit unaufgeregter Kameraführung werden die beiden Kinder begleitet. Das Publikum bleibt zwar stummer Beobachter statt aktiv in die Handlung einzutauchen, aber wer sich auf das Format einlässt, wird mit wunderschö...
„It’s grand“
Kritik

„It’s grand“

Eine Kritik zu Christy. Der Vorhang öffnet sich auf eine heutzutage ungewöhnlich schmale Kinoleinwand, als der Eröffnungsfilm der 14Plus-Sektion Christy von Regisseur Brendan Canty beginnt. Im 4:3 Format begleitet das Publikum in den nächsten 94 Minuten den gleichnamigen Protagonisten (Danny Power) durch seinen Alltag in Cork, Irland, und gibt so einen Einblick in die Lebensumstände der Menschen in diesem Gebiet des kleinen Inselstaats.  Nachdem Christy den Platz in seiner Pflegefamilie der letzten zehn Jahre verliert, kommt er übergangsweise bei seinem Bruder Shane (Diarmuid Noyes) unter, bis ihm ein neuer Wohnort zugewiesen wird. In dieser Umbruchphase begegnet Christy neuen Menschen und alten Bekannten, baut Beziehungen zu Familienmitgliedern auf, die er seit über einem Jahr...
Planlos durch Madagaskar
Kritik

Planlos durch Madagaskar

Eine Kritik zu Disco Afrika Der erste madagassische Film bei Generation ist gleichzeitig ein wichtiger Meilenstein für Madagaskar und eine Enttäuschung für mich. Durch meinen persönlichen Bezug zum Land habe ich mich besonders über die Repräsentation des Inselstaates gefreut. Nach einer Woche im Kino bleibt mir jedoch recht wenig von Disco Afrika in Erinnerung. Regisseur Luck Razanajaona thematisiert die Saphirminen, welche die madagassische Regierung immer häufiger an ausländische Firmen und Einzelpersonen verkauft. Auch wenn der Film den 20-Jährigen Kwame (Parista Sambo) begleitet, könnte er ebenso deutlich jünger oder älter sein, ohne viel an der dargestellten Lebenssituation zu ändern. Viele Einwohner:innen Madagaskars verrichten harte körperliche Arbeit für wenig Geld, im Falle...
Mit Kinderaugen um die Welt
Kritik

Mit Kinderaugen um die Welt

Eine Kritik zum Kurzfilmprogramm Kplus Ausnahmsweise habe ich es dieses Jahr geschafft, das gesamte Kurzfilmprogramm von Kplus in meinem Zeitplan unterzubringen. Anders als die Langfilmauswahl, die dieses Jahr vor allem in Kombination mit den 14plus Langfilmen recht repetitiv ist, ist die Kurzfilmauswahl zumindest bei Kplus in sich stimmig und gleichzeitig sehr divers. Sexuelle Gewalt und Vertrauensmissbrauch Besonders im Gedächtnis bleibt mir Sukoun von Dina Naser. Die höreingeschränkte Hind (Malik Nassar) geht für ihr Leben gerne zum Karate. In einer Welt, die für Schwerhörige nicht ausgelegt ist, ist das Karatestudio ihr sicherer Hafen. Die anderen Schüler:innen und ihren Mentor hat sie gern. Bis es eines Tages zum sexuellen Übergriff kommt. Mit beeindruckender Eindringlichkei...
Die Rote Plastiktüte im grauen Schulalltag
Allgemein

Die Rote Plastiktüte im grauen Schulalltag

Eine Kritik zu Kai Shi De Qiang Zhuang Zhou (Zhang Taiwen) beginnt sein letztes Schuljahr an der High School. Gute Noten und Zusatzpunkte sind wichtig, um später in eine gute Uni zu kommen. Morgens stehen die Schüler:innen geordnet auf dem Schulhof und lauschen der Nationalhymne. Es ist ein tristes Bild, das von diesem Alltag der chinesischen Jugendlichen in Kai Shi De Qiang von Qu Youjia gezeichnet wird. Lediglich eine rote Plastiktüte bringt Farbe und Bewegung ins Bild und wird ein Symbol für den gesamten Film werden. Denn als Zhuang der Plastiktüte folgt, trifft er auf seine Mitschülerin Meng Ke (Miao Jijun), die mit einer Startschusspistole in der Turnhalle der Schule zugange ist. Und obwohl Meng nicht viel redet und es ihr deutlich schwerer fällt als ihm, aus sich herauszukomme...
Taking the Berlinale’s hearts by storm
Interview

Taking the Berlinale’s hearts by storm

After an incredible premiere of Young Hearts by Anthony Schatteman I can’t help but want to speak to Anthony about his debut feature film. We meet at Berlinale Palast for an interview about Young Hearts and his experience at Berlinale so far. fGR: You’ve lived in Berlin before, but this is your first time at Berlinale presenting your own film. Do you have a favourite interaction so far or did you experience something particularly surprising? Anthony Schatteman: Today we showed the film to a very young audience for the first time. At the premiere on Saturday we had a few kids, but today it was a room full of schools. That scared me a bit, but the response was really good. At first I thought that maybe the children just like to clap, but during the Q&A so many of them came to the ...
Die erste große Liebe
Allgemein

Die erste große Liebe

Standing Ovations durch den gesamten Abspann bei der Premiere. Tosender Applaus beim ersten Screening mit Tausend Schulkindern. Young Hearts von Anthony Schatteman berührt jede Person im Publikum, unabhängig von Alter, Geschlecht und kulturellem Hintergrund. Und es ist so wichtig, dass diese Geschichte von jungen Menschen weltweit und den Erwachsenen in ihrem Umfeld gesehen wird. Der Film begleitet Elias (Lou Goossens) bei der Entdeckung seiner eigenen Identität. Sein neuer Nachbar Alexander (Marius De Saeger) kommt aus Brüssel und weiß schon länger, dass er sich für Jungs interessiert. Elias hingegen ist mit seiner Mitschülerin Valerie zusammen. Erst mit Alexanders Ankunft stellt er infrage, was er immer über sich selbst zu wissen glaubte. Mit enormer Feinfühligkeit erzählt Young Hear...
Eine Studie der Gefühle
Allgemein

Eine Studie der Gefühle

Es ist Abend, noch nicht spät, aber müde bin ich trotzdem. Auf dem Nachhauseweg soll es wieder regnen und ich bin mit dem Fahrrad da. Der letzte Film soll 161 Minuten gehen und die Filmbeschreibung war wie so häufig schwer zu deuten. Alles keine guten Voraussetzungen für meine Offenheit gegenüber Comme Le Feu von Philippe Lesage. Dass ich trotzdem einen guten Film erwarte und überhaupt hier bin, liegt daran, dass die kanadischen Generationsfilme über die letzten Jahre immer zu meinen Favoriten gezählt haben. Spoiler alert: Das bleibt auch weiterhin so. Über zweieinhalb Stunden begleitet Comme Le Feu eine Gruppe sehr unterschiedlicher Charaktere in die Tiefen des kanadischen Waldes. Jeff (Noah Parker) wurde von seinem besten Freund Max (Antoine Marchand-Gagnon) eingeladen, ihn, seinen V...
Von Wasserpistolen und Umsiedlung
Allgemein

Von Wasserpistolen und Umsiedlung

Ein kleiner Junge schleppt sich mit einem gefüllten Wassereimer durch einen heftigen Sandsturm. Als er sein Zuhause erreicht, eilt ihm die Mutter schon entgegen. Die geschlossenen Türen helfen nur notdürftig, der Sand wirbelt trotzdem herein. Als der Junge das Fenster schließt, zerspringt es. Mit dieser Eröffnungsszene des Filmes Wo Tu von Wang Xiaoshuai landet das Publikum mitten in einem Bergdorf im Nordwesten Chinas und lässt Berlin für zwei Stunden zurück. Wir begleiten den gleichnamigen zehnjährigen Wo Tu bei seinem Versuch, endlich eine eigene Wasserpistole in Händen zu halten. Dauernd vergisst sein Vater, eine aus der Stadt mitzubringen, in der er arbeitet. Sein Großvater hingegen möchte ihm eine besorgen, sobald er verstorben ist. Was folgt, ist eine Reise aus nahtlos ineinande...