Autor: Johanna

Johanna, 25, geht schon seit sie denken kann mit ihrer Schwester auf die Berlinale. 2013 wurde sie zum Gründungsmitglied der freien Generation Reporter:innen. Wenn sie nicht gerade über die Filme und Hintergründe des Generationprogramms schreibt, singt sie im Chor und verschlingt ein Buch nach dem anderen. Nebenbei studiert sie auch im Master Ernährungsmedizin in Lübeck.
Die Suche nach dem Sinn
Kritik

Die Suche nach dem Sinn

Eine Kritik zu Zhi Wu Xue Jia. Ein Tannenzapfen treibt den Fluss entlang. Ein kasachischer Junge sammelt Blätter für sein Herbarium. Nach einigen Tagen wird er dabei von einer neuen Freundin begleitet. Ein alkoholkranker Bruder, der sich zurück in die Stadt sehnt und ein sprechendes Pferd. Es ist der erste von vier Filmen am ersten vollen Generation-Kinotag und ich bin nicht bereit für die langen Einstellungen, ruhigen Beobachtungen und Monologe aus dem Off, die den chinesischen Film Zhi Wu Xue Jia von Jing Yi ausmachen. Ästhetisch schön anzusehen ist Der Botaniker allemal. Mit unaufgeregter Kameraführung werden die beiden Kinder begleitet. Das Publikum bleibt zwar stummer Beobachter statt aktiv in die Handlung einzutauchen, aber wer sich auf das Format einlässt, wird mit wunderschön...
„It’s grand“
Kritik

„It’s grand“

Eine Kritik zu Christy. Der Vorhang öffnet sich auf eine heutzutage ungewöhnlich schmale Kinoleinwand, als der Eröffnungsfilm der 14Plus-Sektion Christy von Regisseur Brendan Canty beginnt. Im 4:3 Format begleitet das Publikum in den nächsten 94 Minuten den gleichnamigen Protagonisten (Danny Power) durch seinen Alltag in Cork, Irland, und gibt so einen Einblick in die Lebensumstände der Menschen in diesem Gebiet des kleinen Inselstaats.  Nachdem Christy den Platz in seiner Pflegefamilie der letzten zehn Jahre verliert, kommt er übergangsweise bei seinem Bruder Shane (Diarmuid Noyes) unter, bis ihm ein neuer Wohnort zugewiesen wird. In dieser Umbruchphase begegnet Christy neuen Menschen und alten Bekannten, baut Beziehungen zu Familienmitgliedern auf, die er seit über einem Jahrz...
Planlos durch Madagaskar
Kritik

Planlos durch Madagaskar

Eine Kritik zu Disco Afrika Der erste madagassische Film bei Generation ist gleichzeitig ein wichtiger Meilenstein für Madagaskar und eine Enttäuschung für mich. Durch meinen persönlichen Bezug zum Land habe ich mich besonders über die Repräsentation des Inselstaates gefreut. Nach einer Woche im Kino bleibt mir jedoch recht wenig von Disco Afrika in Erinnerung. Regisseur Luck Razanajaona thematisiert die Saphirminen, welche die madagassische Regierung immer häufiger an ausländische Firmen und Einzelpersonen verkauft. Auch wenn der Film den 20-Jährigen Kwame (Parista Sambo) begleitet, könnte er ebenso deutlich jünger oder älter sein, ohne viel an der dargestellten Lebenssituation zu ändern. Viele Einwohner:innen Madagaskars verrichten harte körperliche Arbeit für wenig Geld, im Falle ...
Mit Kinderaugen um die Welt
Kritik

Mit Kinderaugen um die Welt

Eine Kritik zum Kurzfilmprogramm Kplus Ausnahmsweise habe ich es dieses Jahr geschafft, das gesamte Kurzfilmprogramm von Kplus in meinem Zeitplan unterzubringen. Anders als die Langfilmauswahl, die dieses Jahr vor allem in Kombination mit den 14plus Langfilmen recht repetitiv ist, ist die Kurzfilmauswahl zumindest bei Kplus in sich stimmig und gleichzeitig sehr divers. Sexuelle Gewalt und Vertrauensmissbrauch Besonders im Gedächtnis bleibt mir Sukoun von Dina Naser. Die höreingeschränkte Hind (Malik Nassar) geht für ihr Leben gerne zum Karate. In einer Welt, die für Schwerhörige nicht ausgelegt ist, ist das Karatestudio ihr sicherer Hafen. Die anderen Schüler:innen und ihren Mentor hat sie gern. Bis es eines Tages zum sexuellen Übergriff kommt. Mit beeindruckender Eindringlichkeit...
Die Rote Plastiktüte im grauen Schulalltag
Kritik

Die Rote Plastiktüte im grauen Schulalltag

Eine Kritik zu Kai Shi De Qiang Zhuang Zhou (Zhang Taiwen) beginnt sein letztes Schuljahr an der High School. Gute Noten und Zusatzpunkte sind wichtig, um später in eine gute Uni zu kommen. Morgens stehen die Schüler:innen geordnet auf dem Schulhof und lauschen der Nationalhymne. Es ist ein tristes Bild, das von diesem Alltag der chinesischen Jugendlichen in Kai Shi De Qiang von Qu Youjia gezeichnet wird. Lediglich eine rote Plastiktüte bringt Farbe und Bewegung ins Bild und wird ein Symbol für den gesamten Film werden. Denn als Zhuang der Plastiktüte folgt, trifft er auf seine Mitschülerin Meng Ke (Miao Jijun), die mit einer Startschusspistole in der Turnhalle der Schule zugange ist. Und obwohl Meng nicht viel redet und es ihr deutlich schwerer fällt als ihm, aus sich herauszukommen...
Die erste große Liebe
Kritik

Die erste große Liebe

Standing Ovations durch den gesamten Abspann bei der Premiere. Tosender Applaus beim ersten Screening mit Tausend Schulkindern. Young Hearts von Anthony Schatteman berührt jede Person im Publikum, unabhängig von Alter, Geschlecht und kulturellem Hintergrund. Und es ist so wichtig, dass diese Geschichte von jungen Menschen weltweit und den Erwachsenen in ihrem Umfeld gesehen wird. Der Film begleitet Elias (Lou Goossens) bei der Entdeckung seiner eigenen Identität. Sein neuer Nachbar Alexander (Marius De Saeger) kommt aus Brüssel und weiß schon länger, dass er sich für Jungs interessiert. Elias hingegen ist mit seiner Mitschülerin Valerie zusammen. Erst mit Alexanders Ankunft stellt er infrage, was er immer über sich selbst zu wissen glaubte. Mit enormer Feinfühligkeit erzählt Young Heart...
Eine Studie der Gefühle
Kritik

Eine Studie der Gefühle

Es ist Abend, noch nicht spät, aber müde bin ich trotzdem. Auf dem Nachhauseweg soll es wieder regnen und ich bin mit dem Fahrrad da. Der letzte Film soll 161 Minuten gehen und die Filmbeschreibung war wie so häufig schwer zu deuten. Alles keine guten Voraussetzungen für meine Offenheit gegenüber Comme Le Feu von Philippe Lesage. Dass ich trotzdem einen guten Film erwarte und überhaupt hier bin, liegt daran, dass die kanadischen Generationsfilme über die letzten Jahre immer zu meinen Favoriten gezählt haben. Spoiler alert: Das bleibt auch weiterhin so. Über zweieinhalb Stunden begleitet Comme Le Feu eine Gruppe sehr unterschiedlicher Charaktere in die Tiefen des kanadischen Waldes. Jeff (Noah Parker) wurde von seinem besten Freund Max (Antoine Marchand-Gagnon) eingeladen, ihn, seinen Va...
Von Wasserpistolen und Umsiedlung
Kritik

Von Wasserpistolen und Umsiedlung

Ein kleiner Junge schleppt sich mit einem gefüllten Wassereimer durch einen heftigen Sandsturm. Als er sein Zuhause erreicht, eilt ihm die Mutter schon entgegen. Die geschlossenen Türen helfen nur notdürftig, der Sand wirbelt trotzdem herein. Als der Junge das Fenster schließt, zerspringt es. Mit dieser Eröffnungsszene des Filmes Wo Tu von Wang Xiaoshuai landet das Publikum mitten in einem Bergdorf im Nordwesten Chinas und lässt Berlin für zwei Stunden zurück. Wir begleiten den gleichnamigen zehnjährigen Wo Tu bei seinem Versuch, endlich eine eigene Wasserpistole in Händen zu halten. Dauernd vergisst sein Vater, eine aus der Stadt mitzubringen, in der er arbeitet. Sein Großvater hingegen möchte ihm eine besorgen, sobald er verstorben ist. Was folgt, ist eine Reise aus nahtlos ineinander...
Volle Fahrt voraus
Hintergrund

Volle Fahrt voraus

Im Berliner Hafen herrscht reges Treiben. Die Segelboote werden für die anstehende Regatta, die viele auch liebevoll als Festival bezeichnen, klarschiff gemacht. Die Besatzungen rufen sich gegenseitig zu. Sind alle Taue und Segel überprüft? Haben wir genug Proviant? Funktioniert das Radio? Unser Schiff, die kleine fGR, ist fast aufbruchbereit. Sanft wiegt sie sich auf dem Wasser. Im Schatten ihres benachbarten Mutterschiffs Generation wirkt sie klein, aber beide Besatzungen wissen, dass sie sich auf dem Wasser nicht aus den Augen verlieren werden.  Während meine Teammitglieder ihren Aufgaben nachgehen, sitze ich in der Kajüte vor einem leeren Dokument und suche nach dem ersten Satz. Seit unserer Jungfernfahrt zur 63. Berlinale vor nun schon 11 Jahren habe ich einige Eröffnungsartik...
Die Bienenkönigin
Kritik

Die Bienenkönigin

Ein Kommentar zu 20.000 especies de abejas. Als wir am Samstagmittag die Cross Section Vorstellung von 20.000 especies de abejas von Estibaliz Urresola Solaguren sehen, ist Hauptdarstellerin Sofía Otero noch nicht mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Aber uns ist klar, dass ihre Performance preisverdächtig ist. Otero verkörpert das achtjährige Transmädchen Lucía. Der Film fängt die Familiendynamik ein, die es Lucía schwer macht, sie selbst zu sein. Ihre Mutter möchte ihre Kinder fernab von stereotypischen Geschlechterrollen aufziehen, lässt ihre Tochter also mit langen Haaren und lackierten Nägeln herumlaufen. Aber dass das Kind, das sie bei der Geburt Aitor nannte, tatsächlich ein Mädchen sein könnte, ist für sie unbegreiflich, wie oft Lucía auch versuchte, ihr das zu sagen. Lediglich L...