Autor: Liv Thastum

Liv Thastum, *1997 in Berlin, beendet zurzeit den Master Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Sie war unter anderem für die Medien Litradio, Pfeil&Bogen und die dänische Zeitung Arbejderen tätig. Seit 2013 schreibt und leitet sie die Freien Generation Reporter:innen. Ihre deutschen und dänischen Texte wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet. 2024 wurde sie für den 32. Open Mike nominiert und war Preisträgerin des WORTMELDUNGEN Förderpreises.
Between surealism and reality
Interview

Between surealism and reality

2020 Berlinale Generation presents the Ukrainian documentary “The earth is blue as an orange” which already won the documentary directing award at this years Sundance film festival. In a loving way the film follows single mother Anna and her four children as they document their lives on the Ukrainian/Russian boarder trough their own film project. Director Iryna Tsilyk manages to draw a deeply touching portray of a family trying to bring normality and hope into a life marked by war. The outstanding camera work creates pictures that are able to transport a feeling of surrealistic normality in circumstances who are terrifying real. With her first documentary feature film Iryna Tsilyk reminds us that although the media presence is decreasing the war between Ukraine and Russia is still going ...
Die Welt ist blau wie eine Orange
Kritik

Die Welt ist blau wie eine Orange

Eindrücke zum Ukrainischen Dokumentarfilm „The earth is blue as an orange“. SZENE 1 TAKE 4 Das Geräusch von Bomben zerstört Häuser und Gedanken ihr Kind schläft Nachts mit offenen Augen Der Mond versteckt sich hinter müden Schornsteinen damit er die Einschusslöcher nicht sehen muss: Blaue Fensterrahmen Im Schatten der Ostblockbauten treten sie auf das Geräusch von Scherben und der Surrealismus umarmt die Realität Eine Familie an der Grenzlinie filmt den orangenen Staub von Красногорівка „Сподіваюся“ Die Brennweite der Kinderträume reicht bis nach Kiew wo man das Objektiv auf plätschernde Springbrunnen hält Der Spiegelreflex ist schwach geworden aber der Puls noch immer hoch „Gestern war der Himmel rot“ Ora...
The language of visuals
Interview

The language of visuals

„They take the gold and throw away the chest. That chest is our country.“ Mongolia is considered to be one of the ten most resource-rich countries in the world. Foreign investors have transformed one fifth of Mongolia to mining areas. Nature is being destroyed, the daily life of local people is affected. Byambasuren Davaa, known for „The story of a weeping camel“, takes her new feature film „Veins of the World“ to this year's Berlinale Generation, in which she portraits a nomad family, living in a region that is about to become mining area. In strong cinematographic pictures, the film tells a story about a young boy and his big dream, about the loss of a father, about love to nature and the soul of Mongolian mountains.THE NATURE“Veins of the world” transports a feeling for Mongolian nature...
Love musik, hate fascism!
Kritik

Love musik, hate fascism!

Am 30. April 1978 demonstrieren hunderttausend junge Menschen gegen den zunehmenden Rassismus in England. In einem Protestmarsch vom Trafalgar Square zum Londoner Victoria Park setzen sie ein Zeichen gegen die rechtsextreme Szene. Punkbands wie „The Clash“ oder „X-ray Spex“ treten auf und bestärken durch ihr Konzert die Jugendbewegung: Rock Against Racism (RAR) erreicht seinen Höhepunkt.Nach ihrem Kurzfilm „White Riot“, der bei der Berlinale Generation 2017 gezeigt wurde, vertieft Rubika Shah ihre dokumentarische Arbeit über die Londoner Protestbewegung in einem Feature-Film mit selben Titel. Es entsteht eine Collage aus Bild und Tonmaterial der 70er Jahre und aktuellen Interviews mit den Initiator*innen des Aufstands. „Es war mir wichtig die Menschen hinter Rock Against Racism zu zeigen.“...
Mein eigen Fleisch und Blut
Allgemein

Mein eigen Fleisch und Blut

Pulsierende Sounds, düstere Atmosphäre, Spannung von der ersten Sekunde.„Kød og blod“ (Fleisch und Blut) ist der Titel des dänischen Films, der Freitag in der Sektion Panorama seine Weltpremiere feierte. Ein Hybrid aus Thriller und Familiendrama, Mafia Film und Coming of Age. Regisseurin Jeanette Nordahl wagt sich mit ihrem Regiedebüt in ein von Männern dominiertes Genre: und brilliert.Family comes firstNachdem ihre Mutter bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, muss die 17-jährige Ida gegen ihren Willen bei ihrer Tante und ihren drei Cousins leben. Ihr neues Umfeld: Ein krimineller Familienclan, angeführt von einer skrupellosen Matriarchin. Fürsorglich und besitzergreifend spinnt sie Ida in ihr Netz ein. Ein Konflikt mit der Polizei stellt Ida vor eine schwere Entscheidung.Rauschend....
Leichte Unterhaltung auf Philippinisch?
Kritik

Leichte Unterhaltung auf Philippinisch?

Es ist eine Geschichte vom ersten verleibt sein, von Freundschaft und dem Loslassen der Eltern. Eine, die wir schon oft gesehen haben und doch nicht ganz, denn diese spielt in den Philippinen - in einem Vorort von Manila. Paolo und seine Freund*innen Leben in einem Dorf am Fuße des Vulkans Pinatubo. Ihr Alltag ist geprägt von Stromausfällen und Erdbeben, und doch lebt es sich leicht hier. Paolos hat die neuesten Nintendo-spiele und die schicksten Schuhe. Er macht was seine Mutter ihm sagt, bis er sich zum ersten mal verliebt.Es ist angenehm überraschend mit „Death of Nintendo“ einen Film aus den Philippinen im Generation-Programm zu sehen, der so leicht und fröhlich ist. Keine romantisierenden Naturaufnahmen oder präsentierte Kontraste zur westlichen Welt. Eine Geschichte, die überall spie...
Stacheldraht und Plastikblumen – Fragmente aus der Ukraine
Hintergrund

Stacheldraht und Plastikblumen – Fragmente aus der Ukraine

2017 präsentierte die Berlinale im Rahmen des Generation 14+ Programms den ukrainischen Dokumentarfilm „Shkola nomer 3“. Drei Jahre später ist mit „The earth is blue as an orange“ erneut ein Film im Programm, der Einblick in das Leben im Donbas - dem Grenzgebiet zwischen Ukraine und Russland - gibt. Denn auch wenn die Medienpräsenz nachlässt, der Krieg an der Grenze geht weiter. Der folgende Text ist eine Medienmitschrift: eine Kollage aus aktuellen Facebook-Posts von Menschen, die ich 2017 auf meiner Reise in die Ukraine kennengelernt habe. Es ist der Versuch die Gefühle von Menschen zu vermitteln, die ich als Außenstehende nicht in Worte fassen kann. So entsteht dieses aktuelle Zeitbild, ergänzt durch Analogaufnahmen, die während meiner Reise entstanden sind.STACHELDRAHT UND PLASTIK...
Über nackte Körper und bunte Perlen
Kritik

Über nackte Körper und bunte Perlen

LivFor English Version Dieses Jahr zeigte Generation 14+ im Rahmen einer Cross-Section eine Auswahl an Kurzfilmen der Sektion „Berlinale shorts“. Unter dem Titel „And you make the world what you really want it to be: Love“ hat die Kurzfilm Sektion der Berlinale fünf Filme aus ihren Programm ausgewählt, die nun einem jungen Publikum präsentiert werden. Zwei Filme dieses Programmes sind besonders sehenswert! Nackte KörperDer spanische Kurzfilm „Suc de Síndria“ von Irene Moray behandelt ein intimes Thema auf eine wunderschön ehrliche Weise. Wir sehen ein junges Paar beim Sex. Die Augen der jungen Frau leuchten, doch sie kommt nicht zum sexuellen Höhepunkt. Liebevoll wollen die beiden sich gegenseitig befriedigen, aber für Barbara bleibt der Orgasmus aus. Der Grund dafür: sie wurde vor einigen...
Die rechte Szene auf der Berlinale Leinwand
Kritik

Die rechte Szene auf der Berlinale Leinwand

LivFor English Version Synthetische Popmusik dröhnt in den Saal des Haus der Kulturen der Welt. Auf der Leinwand eine Gruppe von Mädchen, die tanzt und sich schminkt, dann „die coolen Jungs“, die über Motorräder reden und sich prügeln. Kiira und Lenni sind der Schnittpunkt der beiden Cliquen. Sie sind 15, ein Paar – und in 9 Monaten werden sie Eltern. Während die Geburt des Kindes immer näher rückt, spitzt die Situation sich zu. Konflikte entstehen. Kiiras naive Leichtigkeit verblasst. Sie erkennt die Probleme, die auf sie zukommen werden. Lenni ist mit der Situation überfordert und sucht Halt. Er findet sie in der rechtsextremen Gruppe der Nachbarschaft. So versucht der finnische Gewinnerfilm des gläsernen Bären 2019 „Hölmö Nuori Sydän“ (Stupid young heart) die Themen Teenagerschwangersc...
Die Klänge der Natur
Kritik

Die Klänge der Natur

Die Wolken entleeren ihr Wasser über dem kleinen indischen Dorf Kalardiya. Bulbul und ihre Freunde lassen sich lachend nass regnen. Sie spüren die Tropfen auf ihrer Haut und das erste Kribbeln im Bauch. Aber in der Region herrschen strenge Regeln der Sittsamkeit, die unüberwindbar scheinen. "Bulbul can sing" ist ein ehrliches Porträt junger Menschen, deren alltägliche Träume mit kulturellen Realitäten kollidieren. Bulbul und ihre Freunde gehen zum Musikunterricht, klettern auf Bäume, spielen Brettspiele und schreiben sich erste Liebesgedichte. „Versprich mir, dass du mich immer lieben wirst!“, sagt Bulbuls Freund. „Ich verspreche es“, antwortet sie. Abends muss Bulbul singen üben, denn ihr Vater möchte das sie Sängerin wird - aber sie ist noch nicht gut genug. Der Gesang des Vaters und Bu...