Autor: Liv Thastum

Liv Thastum, *1997 in Berlin, beendet zurzeit den Master Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Sie war unter anderem für die Medien Litradio, Pfeil&Bogen und die dänische Zeitung Arbejderen tätig. Seit 2013 schreibt und leitet sie die Freien Generation Reporter:innen. Ihre deutschen und dänischen Texte wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet. 2024 wurde sie für den 32. Open Mike nominiert und war Preisträgerin des WORTMELDUNGEN Förderpreises.
Flammengewalt auf der Berlinale-Leinwand
Kritik

Flammengewalt auf der Berlinale-Leinwand

Eine Kritik zu Only on Earth von Sarah & Liv Knisternd und brodelnd züngeln die Flammen um die Feuerwehrkräfte herum. Die Winde treiben das Feuer immer weiter an, es schlägt meterhoch aus. Ein Mann in einem Bagger schiebt Erdmassen auf, um eine natürliche Barriere gegen das Feuer zu schaffen — und fährt dabei immer wieder direkt in die Flammen. Feuerwehrkräfte sind zu Fuß zwischen den einzelnen Brandherden unterwegs und versuchen sie ohne Wasser zu löschen — das Löschfahrzeug ist noch nicht da. Die Szenerie ist tieforange und verraucht. Only on Earth zeigt gewaltvolle dokumentarische Szenen direkt aus den Waldbrän...
Rain exhausts over Assam
Film und Poetry, Kritik

Rain exhausts over Assam

for Rima Das and the women of Kalardiya A poem written as reaction to the film „Village rockstars 2“ when flood comesthe river lives in our house for a whilethe bed gets wetthe grain drowns I only cry when I'm alone,says the motherI want to be small again,says the daughter men want to buy the landheavy machines will carve cracks into the landscapeasphalt will pour over the fieldsmoney will change hands mother and daughter knowthere was once a forest herethere once was a river tree bleeds, resin drips trees will be felledbikes will rustsongs will be sungthe field will remain ours
Erinnerungen an Wüsten
Interview

Erinnerungen an Wüsten

Ein Rückblick auf die Berlinale 2023. Heute vor einem Monat war der letzte Tag der 73. Berlinale. Ich sitze auf dem kleinen Balkon eines Hotelzimmers in der Nähe von Zagora im Süden Marokkos. Das Mittagsgebet hallt kratzig durch die Lautsprecher des Minaretts und wird von den umliegenden Bergen zurückgeworfen. Ich blicke auf die Hauptstraße und den dahinter liegenden riesigen Palmenhain, der sich entlang des Wadi Draa Flusses bis zu den angrenzenden Bergen und der dahinter liegenden Erg Chigaga Wüste erstreckt. Die Sonne scheint erbarmungslos auf die ausgetrocknete Landschaft - die Berlinale und dieser kalte Februar könnte sich nicht weiter entfernt anfühlen. Also was ist da noch in meinem Kopf von der diesjährigen Berlinale? Was hat sich da festgesetzt und will auch keinen Platz mach...
How to become a bag of rice
Kritik

How to become a bag of rice

A comment on Kiseye Berendj The Retrospective section at this year's Berlinale shows films on the theme "Young at Heart - Coming of Age at the Movies". Well-known filmmakers have put together the films for the programme. Tilda Swinton chose the Iranian film Kiseye Berendj by Mohammad-Ali Talebi from 1996. Here, the viewer enchantingly follows the little girl Jairan who, together with her old neighbour, makes her way through the labyrinth of Theran to buy a sack of rice. It is the dramas of everyday life that are shown on the big screen. In a time where cinema is overloaded with complex storylines, plot twists and special effects, it is a pleasant surprise to experience how this narrative can shine in its simplicity. Tilda Swinton writes about this timeless film: "We each alchemi...
In Zwischensprachen das Meer anschreien
Kritik

In Zwischensprachen das Meer anschreien

Eine lyrische Kritik zu Zeevonk und Sica Das Meer ist wiederkehrender Schauplatz in den Filmen des diesjährigen Berlinale Generation Programms. Als unzähmbare Naturgewalt stellen die Wassermassen junge Protagonisten vor Herausforderungen und bringen einschneidende Erlebnisse mit sich. Vor allem im belgischen Film „Zeevonk“ (K+) und im spanischen Film „Sica“ (14+) steht das Meer im Fokus der Erzählung. Beide Filme erzählen von einer Teenagerin die ihren Vater durch das Meer verliert und dem Umgang mit diesem Verlust. Trotz sehr unterschiedlichen Ästhetik und Bearbeitung der Thematik sind sich die Filme verwandt. In Momenten kann „Sica“ sogar als Fortsetzung auf die in „Zeevonk“ auftauchenden Motive gelesen werden. Die einige Jahre ältere „Sica“ sucht auch nach Antworten und einer Erkl...
Für 122 Minuten Teenager sein
Kritik

Für 122 Minuten Teenager sein

"Fühlst du dich noch verbunden zu dem, was du gefühlt hast, also du so alt warst wie ich? Liegt das alles in der Vergangenheit oder kannst du diese Erlebnisse irgendwie wieder erleben?" Nach „Shkola nomer 3“ (2017) und „The earth is blue as an orange“ (2020) präsentiert Generation 14+ mit „Stop Zemlia“ auch bei der diesjährigen Berlinale einen Jugendfilm aus der Ukraine. Für ihren einfühlsamen Film erhält Regisseurin Kateryna Gornostai den gläsernen Bären der Jugendjury. Eine Schule irgendwo in Kiew. In Sequenzen unterschiedlicher Länge folgt die Kamera Schüler*innen aus der 11. Klasse und lädt die Zuschauer*innen dazu ein, am Gefühlsleben der ukrainischen Teenager teilzuhaben: Am ersten Verliebtsein, an Klassenfeiern, Schulstunden, Freundschaftsritualen, Ängsten und Selbstzweife...
Between surealism and reality
Interview

Between surealism and reality

2020 Berlinale Generation presents the Ukrainian documentary “The earth is blue as an orange” which already won the documentary directing award at this years Sundance film festival. In a loving way the film follows single mother Anna and her four children as they document their lives on the Ukrainian/Russian boarder trough their own film project. Director Iryna Tsilyk manages to draw a deeply touching portray of a family trying to bring normality and hope into a life marked by war. The outstanding camera work creates pictures that are able to transport a feeling of surrealistic normality in circumstances who are terrifying real. With her first documentary feature film Iryna Tsilyk reminds us that although the media presence is decreasing the war between Ukraine and Russia is still going ...
Die Welt ist blau wie eine Orange
Kritik

Die Welt ist blau wie eine Orange

Eindrücke zum Ukrainischen Dokumentarfilm „The earth is blue as an orange“. SZENE 1 TAKE 4 Das Geräusch von Bomben zerstört Häuser und Gedanken ihr Kind schläft Nachts mit offenen Augen Der Mond versteckt sich hinter müden Schornsteinen damit er die Einschusslöcher nicht sehen muss: Blaue Fensterrahmen Im Schatten der Ostblockbauten treten sie auf das Geräusch von Scherben und der Surrealismus umarmt die Realität Eine Familie an der Grenzlinie filmt den orangenen Staub von Красногорівка „Сподіваюся“ Die Brennweite der Kinderträume reicht bis nach Kiew wo man das Objektiv auf plätschernde Springbrunnen hält Der Spiegelreflex ist schwach geworden aber der Puls noch immer hoch „Gestern war der Himmel rot“ Ora...
The language of visuals
Interview

The language of visuals

„They take the gold and throw away the chest. That chest is our country.“ Mongolia is considered to be one of the ten most resource-rich countries in the world. Foreign investors have transformed one fifth of Mongolia to mining areas. Nature is being destroyed, the daily life of local people is affected. Byambasuren Davaa, known for „The story of a weeping camel“, takes her new feature film „Veins of the World“ to this year's Berlinale Generation, in which she portraits a nomad family, living in a region that is about to become mining area. In strong cinematographic pictures, the film tells a story about a young boy and his big dream, about the loss of a father, about love to nature and the soul of Mongolian mountains.THE NATURE“Veins of the world” transports a feeling for Mongolian nature...
Love musik, hate fascism!
Kritik

Love musik, hate fascism!

Am 30. April 1978 demonstrieren hunderttausend junge Menschen gegen den zunehmenden Rassismus in England. In einem Protestmarsch vom Trafalgar Square zum Londoner Victoria Park setzen sie ein Zeichen gegen die rechtsextreme Szene. Punkbands wie „The Clash“ oder „X-ray Spex“ treten auf und bestärken durch ihr Konzert die Jugendbewegung: Rock Against Racism (RAR) erreicht seinen Höhepunkt.Nach ihrem Kurzfilm „White Riot“, der bei der Berlinale Generation 2017 gezeigt wurde, vertieft Rubika Shah ihre dokumentarische Arbeit über die Londoner Protestbewegung in einem Feature-Film mit selben Titel. Es entsteht eine Collage aus Bild und Tonmaterial der 70er Jahre und aktuellen Interviews mit den Initiator*innen des Aufstands. „Es war mir wichtig die Menschen hinter Rock Against Racism zu zeigen.“...