Autor: Liv Thastum

Liv Thastum, *1997 in Berlin, beendet zurzeit den Master Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Sie war unter anderem für die Medien Litradio, Pfeil&Bogen und die dänische Zeitung Arbejderen tätig. Seit 2013 schreibt und leitet sie die Freien Generation Reporter:innen. Ihre deutschen und dänischen Texte wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet. 2024 wurde sie für den 32. Open Mike nominiert und war Preisträgerin des WORTMELDUNGEN Förderpreises.
Mein eigen Fleisch und Blut
Kritik

Mein eigen Fleisch und Blut

Pulsierende Sounds, düstere Atmosphäre, Spannung von der ersten Sekunde.„Kød og blod“ (Fleisch und Blut) ist der Titel des dänischen Films, der Freitag in der Sektion Panorama seine Weltpremiere feierte. Ein Hybrid aus Thriller und Familiendrama, Mafia Film und Coming of Age. Regisseurin Jeanette Nordahl wagt sich mit ihrem Regiedebüt in ein von Männern dominiertes Genre: und brilliert.Family comes firstNachdem ihre Mutter bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, muss die 17-jährige Ida gegen ihren Willen bei ihrer Tante und ihren drei Cousins leben. Ihr neues Umfeld: Ein krimineller Familienclan, angeführt von einer skrupellosen Matriarchin. Fürsorglich und besitzergreifend spinnt sie Ida in ihr Netz ein. Ein Konflikt mit der Polizei stellt Ida vor eine schwere Entscheidung.Rauschend....
Leichte Unterhaltung auf Philippinisch?
Kritik

Leichte Unterhaltung auf Philippinisch?

Es ist eine Geschichte vom ersten verleibt sein, von Freundschaft und dem Loslassen der Eltern. Eine, die wir schon oft gesehen haben und doch nicht ganz, denn diese spielt in den Philippinen - in einem Vorort von Manila. Paolo und seine Freund*innen Leben in einem Dorf am Fuße des Vulkans Pinatubo. Ihr Alltag ist geprägt von Stromausfällen und Erdbeben, und doch lebt es sich leicht hier. Paolos hat die neuesten Nintendo-spiele und die schicksten Schuhe. Er macht was seine Mutter ihm sagt, bis er sich zum ersten mal verliebt.Es ist angenehm überraschend mit „Death of Nintendo“ einen Film aus den Philippinen im Generation-Programm zu sehen, der so leicht und fröhlich ist. Keine romantisierenden Naturaufnahmen oder präsentierte Kontraste zur westlichen Welt. Eine Geschichte, die überall spie...
Stacheldraht und Plastikblumen – Fragmente aus der Ukraine
Hintergrund

Stacheldraht und Plastikblumen – Fragmente aus der Ukraine

2017 präsentierte die Berlinale im Rahmen des Generation 14+ Programms den ukrainischen Dokumentarfilm „Shkola nomer 3“. Drei Jahre später ist mit „The earth is blue as an orange“ erneut ein Film im Programm, der Einblick in das Leben im Donbas - dem Grenzgebiet zwischen Ukraine und Russland - gibt. Denn auch wenn die Medienpräsenz nachlässt, der Krieg an der Grenze geht weiter. Der folgende Text ist eine Medienmitschrift: eine Kollage aus aktuellen Facebook-Posts von Menschen, die ich 2017 auf meiner Reise in die Ukraine kennengelernt habe. Es ist der Versuch die Gefühle von Menschen zu vermitteln, die ich als Außenstehende nicht in Worte fassen kann. So entsteht dieses aktuelle Zeitbild, ergänzt durch Analogaufnahmen, die während meiner Reise entstanden sind.STACHELDRAHT UND PLASTIK...
Über nackte Körper und bunte Perlen
Kritik

Über nackte Körper und bunte Perlen

LivFor English Version Dieses Jahr zeigte Generation 14+ im Rahmen einer Cross-Section eine Auswahl an Kurzfilmen der Sektion „Berlinale shorts“. Unter dem Titel „And you make the world what you really want it to be: Love“ hat die Kurzfilm Sektion der Berlinale fünf Filme aus ihren Programm ausgewählt, die nun einem jungen Publikum präsentiert werden. Zwei Filme dieses Programmes sind besonders sehenswert! Nackte KörperDer spanische Kurzfilm „Suc de Síndria“ von Irene Moray behandelt ein intimes Thema auf eine wunderschön ehrliche Weise. Wir sehen ein junges Paar beim Sex. Die Augen der jungen Frau leuchten, doch sie kommt nicht zum sexuellen Höhepunkt. Liebevoll wollen die beiden sich gegenseitig befriedigen, aber für Barbara bleibt der Orgasmus aus. Der Grund dafür: sie wurde vor einigen...
Die rechte Szene auf der Berlinale Leinwand
Kritik

Die rechte Szene auf der Berlinale Leinwand

LivFor English Version Synthetische Popmusik dröhnt in den Saal des Haus der Kulturen der Welt. Auf der Leinwand eine Gruppe von Mädchen, die tanzt und sich schminkt, dann „die coolen Jungs“, die über Motorräder reden und sich prügeln. Kiira und Lenni sind der Schnittpunkt der beiden Cliquen. Sie sind 15, ein Paar – und in 9 Monaten werden sie Eltern. Während die Geburt des Kindes immer näher rückt, spitzt die Situation sich zu. Konflikte entstehen. Kiiras naive Leichtigkeit verblasst. Sie erkennt die Probleme, die auf sie zukommen werden. Lenni ist mit der Situation überfordert und sucht Halt. Er findet sie in der rechtsextremen Gruppe der Nachbarschaft. So versucht der finnische Gewinnerfilm des gläsernen Bären 2019 „Hölmö Nuori Sydän“ (Stupid young heart) die Themen Teenagerschwangersc...
Die Klänge der Natur
Kritik

Die Klänge der Natur

Die Wolken entleeren ihr Wasser über dem kleinen indischen Dorf Kalardiya. Bulbul und ihre Freunde lassen sich lachend nass regnen. Sie spüren die Tropfen auf ihrer Haut und das erste Kribbeln im Bauch. Aber in der Region herrschen strenge Regeln der Sittsamkeit, die unüberwindbar scheinen. "Bulbul can sing" ist ein ehrliches Porträt junger Menschen, deren alltägliche Träume mit kulturellen Realitäten kollidieren. Bulbul und ihre Freunde gehen zum Musikunterricht, klettern auf Bäume, spielen Brettspiele und schreiben sich erste Liebesgedichte. „Versprich mir, dass du mich immer lieben wirst!“, sagt Bulbuls Freund. „Ich verspreche es“, antwortet sie. Abends muss Bulbul singen üben, denn ihr Vater möchte das sie Sängerin wird - aber sie ist noch nicht gut genug. Der Gesang des Vaters und Bu...
Einfach loslassen – Ein Blick hinter die Kamera von "Where we Belong"
Interview

Einfach loslassen – Ein Blick hinter die Kamera von "Where we Belong"

Der Schweizer Dokumentarfilm „Where we belong“ berührt das Publikum der diesjährigen Berlinale. Es ist eine einfühlsame, sinnliche Begegnung mit fünf Kindern, die offen über die Trennung ihrer Eltern erzählen. Die starke Bildsprache und einfühlsame Kameraführung des Filmes beeindrucken mich. Deshalb freu ich mich sehr, nach dem Screening des Filmes den Kameramann des Filmes - Nikolai Von Graevenitz zu treffen und ihm einige Fragen über die Kameraarbeit und Ästhetik des Filmes stellen zu können. Wir setzten uns an einen der kleinen Tische in der Lounge des Zoopalastes. Nikolai bestellt sich ein Glas Weißwein, ich rücke meine Papiere zurecht. Dann kann es losgehen. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dir und Regisseurin Jacqueline Zünd entstanden?Ach, wir kennen uns schon lange. Den ersten...
Mama wo bist du?
Kritik

Mama wo bist du?

For English VersionIm Kurzfilmprogramm 2 der Sektion Generation K+ traucht ein Thema immer wieder auf. Eine Mutter die ihre Kinder verlässt. Ohne Abschied, ohne Erklärung. Die Filme „Magralen“, „Dian Jiao Jian“ und „Ani“ zeigen wie unglaublich starke Kinder mit diesem einschneidenden Erlebnis umgehen. Kinder die manchmal mehr Kraft haben als die Erwachsenen. Die Geschichten spielen im Iran, Taiwan und Neuseeland. Drei Filme aus komplett unterschiedliche Ländern, die sich aber im Rahmen dieses Kurzfilmprogramms treffen. Fast scheint es als würden die Kinder miteinander sprechen. Sie leben zwar an unterschiedlichen Orten, aber sie erleben das selbe.Der iranische Kurzfilm „Magralen“ wird von Bildern eines Automüllplatzes auf dem Land umrahmt. Überall stehen kaputte Autos herum. Ein Maschine z...
Mit allen Sinnen
Kritik

Mit allen Sinnen

Starke einfühlsame Bilder, der Klang ehrlicher Worte und ein ergreifender Soundteppich bilden die Atmosphäre eines Filmes, der emotional und ästhetisch unglaublich kraftvoll ist. In einem sinnlichen Geflecht aus Ton und Bild treffen wir auf fünf Kinder, die offen über die Trennung ihrer Eltern sprechen. Auch wenn sie an unterschiedlichen Orten in unter unterschiedlichen Bedingungen aufwachsen, sie alle zeigen, dass Kinder viel mehr verstehen und wahrnehmen als die Erwachsenen manchmal glauben.Der Schweizer Dokumentarfilm „Where we belong“ von Jacqueline Zünd feiert auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere. Es ist ein Porträt, eine emotionale Öffnung. Bedrückend und befreiend zu selben Zeit. Fünf Kinder: Alyssia, Ilaria, Carleton, Sherazade und Thomas erzählen uns wie es sich anfüh...
Sei ein Rebell!
Kritik

Sei ein Rebell!

For English Version Donnernder Applaus im Haus der Kulturen der Welt. Um mich herum stehen die Leute auf. Ich spüre wie auch meine Beine sich bewegen. Die Moderatorin versucht das Wort zu ergreifen, aber das anhaltende Klatschen des Publikums lässt sie wieder verstummen. Die Premiere von „Espero tua revolta“ hat das Publikum bewegt und auf diese Weise will man Solidarität zu zeigen.Der brasilianische Dokumentarfilm „Espero tua revolta“ zeigt wie Jugendliche in Brasilien für das Recht auf Bildung, Gleichheit und Gerechtigkeit auf die Straße gehen. In gesammelten Videoaufnahmen von 2014 bis 2018 sehen wir wie die Schüler für ihre Rechte kämpfen. Erschreckende Bilder von Polizeigewalt und ausufernden Konfrontationen demonstrieren die Wirklichkeit der jungen Aktivisten. Aber gleichzeitig blühe...