Schlagwort: kurzfilm

Zwischen Himmel, Tod und Straße
Kritik

Zwischen Himmel, Tod und Straße

Kritik zu "Nobody Knows the World" Chitos Leben spielt sich zwischen Trümmern, verstaubten Straßen und riesigen Hochhäusern ab. In brennender Hitze sitzt er mit seinen Freunden am Straßenrand und verkauft Blumen, hoch oben auf dem Dach seines Zuhauses hilft er seinem älteren Bruder Rockio dessen Tauben zu hüten. Rockio bindet kleine Drogen-Päckchen an die Beine der Vögel und lässt sie zu seinen Kunden fliegen. Chito blickt in den Himmel und sieht den Tauben beim Fliegen zu, wobei ihn ein Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit umgibt, welches ihm unten ganz fremd ist. Panoramaaufnahmen fangen die außergewöhnliche Kulisse ein, in der diese Geschichte stattfindet: ein Vorort von Lima, in dem sich ein riesiges Steingrab dicht neben das Andere drängt. Für die bei...
Allein die Welt entdecken
Kritik

Allein die Welt entdecken

Kritik zum K+ Kurzfilmprogramm 1 Bei der diesjährigen Berlinale habe ich Kurzfilme richtig zu schätzen gelernt. Ich fand sie sehr poetisch, gerade weil sie keine großen Handlungen aufmachen, sondern alles in einem kleineren Rahmen erzählen. Sie bieten viel Interpretationsraum beim Publikum, die Handlung für sich selbst zu verstehen und sich vorzustellen, wie es weiter gehen könnte. Mit dem K-plus Programm 1 hat die Berlinale in diesem Jahr wieder ein Programm für die jüngsten Zuschauer, ab 5 Jahren. Im vergangenen Jahr gab es für diese Altersgruppe kein Programm.K-plus 1 besteht aus vier Kurzfilmen, davon sind drei Zeichentrickfilme und einer ein Realfilm. In den vier Filmen begeben sich die Held*innen alleine auf abenteuerliche Reisen, an deren Ende sie sich einen eigenen Zugang zur un...
Autokar
Kritik

Autokar

Die kleine Agata umarmt ihre Großeltern ganz fest, dann dreht sie sich um und steigt in den Bus ein. Im Inneren ist es dunkel, die Blicke vieler unbekannter Gestalten liegen auf ihr. In der ausdrucksstarken Bildsprache des Zeichentrickfilms “Autokar” von Sylwia Szkiłądź wirken sie wie eine Mischung aus Mensch und Tier. Die achtjährige Agata setzt sich auf einen Platz am Fenster und winkt ihren Großeltern zum Abschied zu. Schon fährt der Bus los und die fantastische Reise beginnt… Sie fährt von Belgien, wo ihr Vater und ihre Großeltern wohnen, zu ihrer Mutter nach Polen. Zum Abschied schenkt ihr Vater ihr einen Stift. Damit schreibt sie ihm schon auf der Reise einen Brief. Doch bei einem ruckartigen Halt fällt der Stift runter und rollt unter die Sitze. Sie quetscht sich an der Fledermaus-F...
„Do you think about me at all?“
Kritik

„Do you think about me at all?“

Im ersten Moment sieht man nur einen massigen Körper, dann bewegt er sich und man erkennt die entblößten Muskelberge von Julian. Ohne Shirt und mit halb zugedecktem Körper liegt er friedlich da und ahnt nicht, dass Arthur ihn schmachtend beobachtet. Diese erste Szene verrät prompt, dass der Kurzfilm aus der Perspektive des schlaksigen und mit Sommersprossen versehenen Arthur erzählt wird. Eingekuschelt in seiner eigenen Decke, umgeben von einem Nachttisch und dem Gefühl von Nähe, liegt dieser in seinem Bett und himmelt Julian heimlich an. Die unbeantwortete Liebe Arthurs gegenüber seinem Zimmerkameraden Julian wird mithilfe der mystischen Energie des Schlafes in Szene gesetzt. Zusammen mit der stetigen Dunkelheit der Nacht, dem gut platzierten Licht und der mysteriösen Stimmung fühlt ma...
Warten bis es dunkel wird – über eine der gefährlichsten Migrationsrouten Amerikas
Film und Poetry, Hintergrund

Warten bis es dunkel wird – über eine der gefährlichsten Migrationsrouten Amerikas

Kritik, Hintergrundartikel und Gedicht zum Kurzfilm Atardecer en América Und plötzlich drückt sich eine unkontrollierte Traurigkeit aus dem Bauch nach oben, und ich weine. Ich sitze da vor meinem Computer, mitten in der Recherche, und muss weinen. Ich sehe die Bilder des Kurzfilms wieder auftauchen, sehe die Landschaft – die Altiplano-Hochebene – verschwinden, die Menschen, Tiere und Natur verschwinden. Sehe Menschen sterben. Höre die Schlagwörter der Artikel, die ich gelesen habe: Venezuela – zweitgrößte Fluchtbewegung weltweit, 7,7 Millionen Menschen, dazu Klimaflüchtlinge, Trockenheit, Temperaturanstieg, 7.000 Kilometer von Venezuela nach Chile, Dunkelziffern. „Atardecer en América“ – Sonnenuntergang über Amerika heißt der Kurzfilm, der mich so stark bewegt und zu der Recherche ge...
Der Generation-Kurzfilmguide
Kritik

Der Generation-Kurzfilmguide

Herzlich willkommen zum umfassenden Kurzfilmguide, in dem ihr einen Überblick über die Kurzfilme in ihren jeweiligen Kurzfilmprogrammen von Generation erhaltet und Tipps bekommt, welche Programme die passenden für euch sein könnten. Insgesamt gibt es dieses Jahr 20 Kurzfilme, aufgeteilt auf jeweils zwei KPlus- und zwei 14Plus-Kurzfilmsets.  Kurzfilme 1 KPlus Die Kurzfilme 1 von KPlus sind vermutlich das am besten kurierte Kurzfilmprogramm aus der diesjährigen Sektion Generation. Hier treffen kurzweilige, starke Filme mit wichtigen Botschaften aufeinander, die für Kinder liebevoll und süß dargestellt werden.  In Autokar muss die kleine Agata alleine im Bus von Polen nach Belgien reisen. In ihrer Vorstellung verwandeln sich die Mitreisenden in teils angsteinflößende Ti...
Über nackte Körper und bunte Perlen
Kritik

Über nackte Körper und bunte Perlen

LivFor English Version Dieses Jahr zeigte Generation 14+ im Rahmen einer Cross-Section eine Auswahl an Kurzfilmen der Sektion „Berlinale shorts“. Unter dem Titel „And you make the world what you really want it to be: Love“ hat die Kurzfilm Sektion der Berlinale fünf Filme aus ihren Programm ausgewählt, die nun einem jungen Publikum präsentiert werden. Zwei Filme dieses Programmes sind besonders sehenswert! Nackte KörperDer spanische Kurzfilm „Suc de Síndria“ von Irene Moray behandelt ein intimes Thema auf eine wunderschön ehrliche Weise. Wir sehen ein junges Paar beim Sex. Die Augen der jungen Frau leuchten, doch sie kommt nicht zum sexuellen Höhepunkt. Liebevoll wollen die beiden sich gegenseitig befriedigen, aber für Barbara bleibt der Orgasmus aus. Der Grund dafür: sie wurde vor einigen...
Mama wo bist du?
Kritik

Mama wo bist du?

For English VersionIm Kurzfilmprogramm 2 der Sektion Generation K+ traucht ein Thema immer wieder auf. Eine Mutter die ihre Kinder verlässt. Ohne Abschied, ohne Erklärung. Die Filme „Magralen“, „Dian Jiao Jian“ und „Ani“ zeigen wie unglaublich starke Kinder mit diesem einschneidenden Erlebnis umgehen. Kinder die manchmal mehr Kraft haben als die Erwachsenen. Die Geschichten spielen im Iran, Taiwan und Neuseeland. Drei Filme aus komplett unterschiedliche Ländern, die sich aber im Rahmen dieses Kurzfilmprogramms treffen. Fast scheint es als würden die Kinder miteinander sprechen. Sie leben zwar an unterschiedlichen Orten, aber sie erleben das selbe.Der iranische Kurzfilm „Magralen“ wird von Bildern eines Automüllplatzes auf dem Land umrahmt. Überall stehen kaputte Autos herum. Ein Maschine z...
Jede Minute ein anderer Eindruck – die Kurzfilme 2 von 14Plus
Kritik

Jede Minute ein anderer Eindruck – die Kurzfilme 2 von 14Plus

For English Version Kurzfilme, Kurzfilme sind für mich die Möglichkeit innerhalb kürzester Zeit in verschiedene Welten und verschiedene Arten des kreativen Schaffens einzutauchen. Ein Film muss nicht immer einem bestimmten Sinn folgen, er muss keine Geschichte erzählen, er kann auch einfach nur sein. Er kann einem Künstler den Freiraum geben seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und das ist gut so. Ton, Farbe, Licht, Sprache, all das ist Kunst und nie braucht es all diese Aspekte. Ein (für mich) guter Beweis ist "Leaking Life" von Shunsaku Hayashi. Auch wenn der Ton z.T. eigentlich zu laut war, es hat mich nicht gestört, denn der Film hatte mich schon längst in seinen Bann gezogen. Einen Bann aus Ton, Farbe und Bewegung. Nicht immer bedarf es eines sichtbaren Akteurs, nicht immer einer ...
Kritik

Kurzfilme 2

Kiem HolianderDer diesjährige Gewinner der Jugendjury führt uns in eine bedrückende und berührende Welt zweier Brüder, die versuchen gegen die Armut anzukämpfen. Alles Geld, was sie zum Beispiel durch Milch austragen erarbeiten, soll an die Familie gehen, obwohl der 13-jährige Andi viel lieber ein eigenes Handy hatte. Er und Florist teilen sich ein kleines Zimmer und stehen sich durch die Armut sehr nahe, der Film fängt mit tollen Einstellungen das unausgesprochene, zwischenmenschliche der beiden auf. Man fühlt sich als Zuschauer gradezu zwischen den beiden und kann die Gefühle beider spüren, aber auch die gegensätzlichen Wünsche und Ziele, die die Familie auseinander zieht. Ein sehr berührender Film, der meiner Meinung nach den gläsernen Bären auf alle Fälle verdient hat! Premier AmourLa...