Autokar

Die kleine Agata umarmt ihre Großeltern ganz fest, dann dreht sie sich um und steigt in den Bus ein. Im Inneren ist es dunkel, die Blicke vieler unbekannter Gestalten liegen auf ihr. In der ausdrucksstarken Bildsprache des Zeichentrickfilms “Autokar” von Sylwia Szkiłądź wirken sie wie eine Mischung aus Mensch und Tier. Die achtjährige Agata setzt sich auf einen Platz am Fenster und winkt ihren Großeltern zum Abschied zu. Schon fährt der Bus los und die fantastische Reise beginnt… Sie fährt von Belgien, wo ihr Vater und ihre Großeltern wohnen, zu ihrer Mutter nach Polen. Zum Abschied schenkt ihr Vater ihr einen Stift. Damit schreibt sie ihm schon auf der Reise einen Brief. Doch bei einem ruckartigen Halt fällt der Stift runter und rollt unter die Sitze. Sie quetscht sich an der Fledermaus-Frau neben ihr vorbei und beginnt vorsichtig zu suchen. Dabei klettert sie durch die Sitzreihen, entdeckt fremde Welten und überwindet ihre Ängste vor dem Unbekannten. Unter anderem lernt sie eine Tauben-Dame kennen, die ihr eine verwunschene Geschichte erzählt. Wodurch sie im Laufe der Reise an Selbstsicherheit gewinnt.

Für Agata ist es eine neue Erfahrung, allein in ein fremdes Land zu fahren: Sie muss eine Grenzkontrolle und eine lange Busfahrt über sich ergehen lassen, ohne auch nur die geringste Spur von jemandem, der ihr vertraut ist. Die eher düstere Stimmung löst sich auf, als Agata ihre Mutter wieder sieht. Mit einem Mal verändert sich alles: Die Farben werden heller, die merkwürdigen Tiere werden wieder zu Menschen und alle Angst war umsonst.

Der Film zeigt eine Migrationserfahrung aus Kindersicht. Die für uns seltsam aussehenden Tier-Menschen wirken zwar auf Agata beängstigend, aber doch nicht verwunderlich. Sie baut die neuen Erfahrungen in eine Fantasiewelt ein und nimmt ihr dadurch die Bedrohlichkeit. Regisseurin Sylwia Szkiłądź hat am Rande der Filmpremiere auf der Berlinale erläutert, dass der Einsatz der Tier-Menschen noch ein weiteres Ziel hat: Der Film sei für Kinder gemacht worden, und die fänden es spannender, wenn Tiere mitspielen, statt nur gewöhnliche Menschen.  

Der internationalen Jury der Berlinale hat der Film „durch seine besondere Erzählweise und seinen magischen Realismus“ so bewegt, dass sie ihm den Spezialpreis für den besten Kurzfilm der Generation Kplus verliehen haben. In der Begründung heißt es weiter: „Mit beeindruckender Bildsprache und großer Emotionalität“ beschreibe der Film „Eine Reise der Selbsterkenntnis, auf der der scheinbar gefährliche Wolf zu einem Symbol dafür wird, das Unbekannte anzunehmen.“ Zusammenfassend würde ich sagen, dass der Film sehr spannend und doch rührend ist.

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